Grüne Woche : Schoko-Wurst und Gurken-Radler

Für den ausgefallenen Geschmack: Märkische Landwirte machen mit skurrilen Erfindungen auf sich aufmerksam.

Berlin - Die Brandenburger Aussteller auf der Grünen Woche stellen die Geschmacksnerven manchmal auf eine harte Probe. Da mischt eine Fleischerei aus Wusterhausen doch tatsächlich kleine Stücke Bitterschokolade in eine gewöhnliche Mettwurst, da bietet Bäckermeister Plentz aus Schwante ein Vollkornbrot mit Rotweinextrakt an, während der Fleischer Schmidt aus Beelitz eine Bratwurst aus Kaninchenfleisch und Spargel sowie Wiener mit Joghurt erfunden hat.

„Das ist alles Werbung, sonst fällt man auf dieser Messe doch nicht auf“, sagt Thomas Kircher, der sein kleines Brauhaus in Drebkau bei Cottbus sogar mit dem Schild „Weltneuheit“ anpreist. „Wir sind die ersten, die Bier, Limonade und einen Extrakt von grünen Gurken zusammenmischen“, erklärt der Geschäftsführer. „Herausgekommen ist ein Spreewaldgurkenradler, den wir in den Gaststätten entlang des 250 Kilometer langen Radwegs durch die Tourismusregion anbieten wollen.“

Die meisten der 76 Aussteller haben Neuheiten mitgebracht, von denen aber nur etwa ein Drittel den Weg in den Handel findet. Dazu wird sicher der „Uckerkaas Louise Henriette“ gehören. „Wir sind in Gedanken durch den Kräutergarten der Prinzessin von Oranien in der Mitte des 17. Jahrhunderts gelaufen und auf Thymian und Majoran gestoßen“, erzählte der Niederländer Pieter Wolters, der in Bandelow in der Uckermark 550 Milchkühe hält und Käsespezialitäten herstellt. „Zur Landesgartenschau in Oranienburg wollten wir eine besondere Kräutermischung anbieten, die auf die Namensgeberin der Stadt Bezug nimmt.“

Am gestrigen Brandenburg-Tag heimste Wolters, der zwölf Menschen einen Job bietet, viel Lob für seinen Käse ein. Auch Ministerpräsident Matthias Platzeck kostete und würdigte den Erfindergeist der Brandenburger Bauern. „Sie werben nicht nur für gutes Essen, sondern machen Lust auf einen Besuch bei uns“, sagte er. Das Motto der Aussteller „12 Monate Genuss – Brandenburg hat immer Saison“ sei gerade angesichts der Wirtschaftskrise goldrichtig gewählt.

Optimismus strahlen die Bio-Bauern aus, liegt doch mit Berlin ein riesiger Absatzmarkt vor der Tür. „Allein hier gibt es 40 Bio-Supermärkte“, unterstrich Michael Wimmer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau. „Waren aus Brandenburg haben einen Anteil von 15 Prozent, doppelt so viel wie in der konventionellen Landwirtschaft.“ Dagegen bestünden bei der Veredlung der Produkte etwa zu Tiefkühlgemüse oder Pizza noch Reserven. Da vielen Brandenburger Produzenten der Zugang zum Bio-Markt schwer falle, sei die Grüne Woche ein guter Ort für Kontakte. Das bestätigt die Bio-Ranch Zempow aus Nordbrandenburg. Ihr neuer Saft aus der Topinambur-Knolle und Aronia-Wildbeeren kommt nach erfolgreichem Messe-Test in Kürze in die Berliner Bio-Länden. Ste.

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