Der Tagesspiegel : Guben-Gedenkstein: "Würdiger Standort" für Mahnmal gesucht

Frank Jansen

Der Gedenkstein für den zu Tode gehetzten Algerier Farid Guendoul alias Omar Ben Noui wird vermutlich verlegt. Mit deutlicher Mehrheit hat sich am vergangenen Montag der Hauptausschuss des Stadtparlaments für einen "würdigen Standort" ausgesprochen. Wo das sein soll, bleibt unklar. Doch offenkundig ist ein anderer Platz gemeint als der Rasen im Plattenbauviertel Obersprucke, auf den der Gedenkstein im Juli 1999 gestellt wurde. Seitdem haben Rechtsextremisten das kleine Mahnmal sieben Mal geschändet. Gegen eine Verlegung votierten im Hauptausschuss nur die Parlamentarier der PDS. Sie wollen eine Aufwertung des Gedenksteins an seinem jetzigen Standort erreichen. Der Abtransport des Mahnmals wäre laut Fraktionschefin Kerstin Nedoma gleichbedeutend mit einer "Kapitulation vor rechtsextremer Gewalt".

Im Februar soll nun die Stadtverordnetenversammlung beschließen, was aus dem Gedenkstein wird. Nedoma macht sich wenig Hoffnung, dass die Mehrheit der Parlamentarier beschließen könnte, das Mahnmal in Obersprucke stehen zu lassen - obwohl die Stadtverordnetenversammlung das Mahnmal im März 2000 zu einer öffentlichen Gedenkstätte erklärt hatte. Widerstand gegen eine Verlegung des Steins erwartet die Fraktionsvorsitzende der PDS am ehesten noch vom Gubener "Forum gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit", obwohl hier auch SPD und CDU vertreten sind. Die Initiative hatte im letzten Jahr die Mehrheit der Stadtverordneten überzeugen können, das von Linken aufgestellte Mahnmal zur Gedenkstätte umzuwidmen.

Die Debatte um den Stein entzweit auch die Gubener SPD und das landesweite Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Der sozialdemokratische Bürgermeister Gottfried Hain möchte die Bevölkerung auf die Probleme mit dem Rechtsextremismus aufmerksam machen, die überhaupt erst ein Mahnmal für ein Rassismus-Opfer notwendig gemacht haben. In der SPD scheint aber eine Mehrheit den Gedenkstein aus Obersprucke herausholen zu wollen, wie sich bei der Sitzung des Hauptausschusses zeigte.

Dort ergriff auch Generalsuperintendent Rolf Wischnath das Wort, der das landesweite Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit leitet. Wischnath sprach sich erneut für eine Verlegung des Gedenksteins aus und erntete die Kritik der PDS-Stadtverordneten. Aber auch im Aktionsbündnis regt sich Widerspruch. Brandenburgs Ausländerbeauftragte Almuth Berger warnte letzte Woche davor, mit dem Stein einen "so wichtigen Anstoß zum Nachdenken aus der Öffentlichkeit wegzunehmen." Die Kapelle eines jüdischen Friedhofs würde auch nicht nach einer Schändung verlegt.

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