Der Tagesspiegel : "Günni" Schmidt: Der singende Wirt erzählt auch Sagen

Claus-Dieter Steyer

Die singenden Wirte sind in Brandenburg an einer Hand abzuzählen. Doch falls es zwischen ihnen tatsächlich einmal zu einem musikalischen Ausscheid kommen sollte, hätte "Günni" Schmidt aus Lübben gewiss einen vorderen Platz sicher. Denn der Wirt aus dem im typischen Stil des Spreewaldes eingerichteten Restaurant "Bubak" singt nicht nur Kneipenlieder, Gassenhauer oder die aktuellen Spitzenreiter der Volksmusikparade nach. Schmidt unterhält entweder mit eigenen Werken oder stützt sich auf Einfälle von Freunden. Zusammen mit Lübbens Bürgermeister Lothar Bretterbauer schrieb der Wirt auch den Song zum 850-jährigen Stadtjubiläum von Lübben. Kostproben des sicher nicht ganz anspruchsvollen Liedes sind im Internet zu hören.

Der Wirt vom "Bubak" ist jedenfalls so selbstbewusst, dass er seine Sangeskünste nicht nur in den eigenen Restauranträumen präsentiert. Bei entsprechendem Wetter stellt er auf der Terrasse vor der Lokaltür Lautsprecher auf, schnappt sich ein Mikro und geht singend von Tisch zu Tisch. In den Pausen bietet der eigentümliche Name des Gasthauses Anknüpfungspunkte für Gespräche. Bubak, so erfährt der Gast, ist ein wilder Mann aus der Sagenwelt der alteingesessenen wendischen Spreewälder, der über die Dörfer und Bauerngehöfte gezogen sein soll. Heute schaut die Gestalt von den Wänden des Gasthauses. Dahinter, so besagt die Legende, habe der Bubak seine wohlverdiente Ruhe gefunden.

Könnte er tatsächlich durch die Mauern blicken, so würde er auf den Tellern der Gäste eine große Vielfalt von Gerichten entdecken. Natürlich fehlt nicht die Spreewälder Nationalspeise, Pellkartoffeln mit Sahnequark und Leinöl (11,50 Mark). Doch auch auf anderen Seiten der Karte stößt der Gast auf einheimische Rezepte. Dazu gehören Bubaks Putenrollbraten mit frischem Gemüse und Salzkartoffeln (12,90 Mark) ebenso wie der "Fährmannstraum", also mit Senf und Zwiebeln mariniertes Schweinenackensteak, knusprig gebraten, serviert mit gerösteten Zwiebeln und Salzkartoffeln, für 16,50 Mark. Der Zander gilt als Herrscher des Spreewaldes. In Lübben wird er in typischer Dillsauce, Kartoffeln und kleinem Salat für 24,50 Mark angeboten. Ein Tipp für Pasta-Freunde sollte nicht verschwiegen werden: Es ist "Großmutters Geheimnis" - Speck-Zwiebelnudeln mit Käse überbacken. Die 10,90 Mark bereuen die Kenner nicht.

Als Nachtisch kommt bei einem Spreewald-Besuch nur eines in Frage: eine Eierplinse mit Apfelmus und Sahne für ganze 5,30 Mark. Bei zufriedenen Gästen schmettert der singende Wirt mit ganz besonderer Begeisterung seine Lieder.

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