Der Tagesspiegel : Haftstrafen für Nicoles Entführer

Gericht: Geldnöte der Angeklagten waren das Motiv für Verschleppung des Mädchens aus Velten NEURUPPIN (ADN/Tsp).Die Entführer der zehnjährigen Nicole aus Velten im Landkreis Oberhavel sollen für mehrere Jahre ins Gefängnis.Sie wurden am Dienstag vom Landgericht Neuruppin verurteilt: Der 29jährige Uwe S.soll wegen schwerer Kindesentziehung, Freiheitsberaubung und Körperverletzung für sieben Jahre in Haft, seine Lebensgefährtin, die 47jährige Tante Nicoles, Elke R., für zwei Jahre und sechs Monate. Die Strafkammer sah es als erwiesen an, daß Nicole in den Niederlanden verkauft werden sollte."Geld zu erlangen, war das einzige Motiv der Angeklagten, auf das alle Indizien zutreffen", sagte Richterin Gisela Thaeren-Daig in ihrer Urteilsbegründung.Die Angeklagten seien hoch verschuldet gewesen und hätten unter keinen Umständen nach Velten zurückgekonnt. S.und R.hatten behauptet, Nicole mit einer Urlaubsreise etwas Gutes tun zu wollen, weil sie zu Hause mißhandelt würde.Uwe S., der das Urteil mit gesenktem Kopf und Kopfschütteln quitterte, warf die Richtern Gefühlskälte und Geltungssucht vor.Die Pläne für die Entführung Nicoles und ihren sexuellen Mißbrauch hätten bei dem 29jährigen gelegen.Elke R.sei von ihrem Lebensgefährten "in tragischer Weise" abhängig gewesen.Es sei nicht wahrscheinlich, daß sie von dem geplanten Verkauf ihrer Nichte wußte.In ihrer Beziehung zu dem Mann sei sie naiv und vertrauensselig gewesen und deshalb straffällig geworden, befand die Richterin.Das Vertrauen ihrer Familie habe sie jedoch bewußt mißbraucht.Deshalb sei eine Bewährungsstrafe nicht angemessen gewesen. Kontakte des 29jährigen Angeklagten zur Organisierten Kriminalität konnte das Gericht nicht nachweisen.Der siebentägige Prozeß war meist anhand von Indizien geführt worden.Als entscheidenden Beweis werteten sowohl Staatsanwaltschaft als auch Richter die in Velten gefundenen Kalendernotizen von Uwe S.Hier hatte der Angeklagte Reisevorbereitungen und sexuelle Praktiken detailliert beschrieben.Die Angeklagten hatten die Tat bis zuletzt bestritten.In ihren Schlußworten sagte beide, es täte ihnen leid."Wir wollten nichts böses für das Kind", versicherte Frau R.Die Verteidigung hat Revision angekündigt.

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