Der Tagesspiegel : Hildebrandt-Preis für Fraueninitiative aus Lauchhammer

Kanzler lobt bei Verleihung im Konzerthaus die SPD-Politikerin

Bianca Weber

Über Regine Hildebrandt reden, heißt meistens, sie zu zitieren. Und das machte auch SPD-Politikerin Christine Bergmann, als sie gestern Nachmittag anlässlich der Verleihung des ersten Regine-Hildebrandt-Preises sprach. Im voll besetzten Schauspielhaus am Berliner Gendarmenmarkt lobte Bergmann die vor einem Jahr verstorbene Hildebrandt als kämpferisch und witzig. Hildebrandt sei vermutlich die Einzige gewesen, die wagte, die Frage „Mögt ihr uns Ossis überhaupt?“ zu stellen, und dann auch noch ein einstimmiges „Ja“ zur Antwort bekam. Laut Bergmann will der SPD-Vorstand den Regine-Hildebrandt-Preis ab jetzt an jedem Todestag an Personen oder gesellschaftliche Gruppen verleihen, die sich wie die Mutter Courage des Ostens für soziale Projekte und gegen Ungerechtigkeit einsetzten.

Zur Premiere ging der mit 20 000 Euro dotierte Preis an die Fraueninitiative „Gleich und berechtigt“ aus Lauchhammer. Acht Frauen gründeten im Juli 1991 den Verein, um Gleichberechtigung mit konkreten Projekten zu verwirklichen. Als erstes wurde ein Frauen- und Kinderschutzhaus eingerichtet, das Frauen bei häuslicher Gewalt Rückzugsmöglichkeiten bietet. Im Jahr 1993 öffnete das Frauenzentrum „Horizont“, in dem Beratungen von Frauen für Frauen stattfinden, danach kam die „Mädchenbude“. Unter dem Dach von „Gleich und berechtigt“ gibt es außerdem ein umfangreiches Angebot von Selbsthilfegruppen. Unterstützt werden Alleinerziehende, Gewalt- und Mobbingopfer, pflegende Angehörige und Krebspatienten. Bisher arbeiten 20 Ehrenamtliche für den Verein. Mit dem Preisgeld sollen zwei „Arbeit statt Sozialhilfe“-Stellen kofinanziert werden.

Bundeskanzler und SPD-Parteivorsitzender Gerhard Schröder würdigte zunächst Regine Hildebrandt. „Ich habe gerne und viel von ihr gelernt über östliche Befindlichkeiten.“ Schröder lobte, dass der Regine-Hildebrandt-Preis eine Motivation für soziale Arbeit sein könne. „Sich für andere einzusetzen, heißt auch, sich selbst etwas Gutes zu tun. Es macht stolz.“ Die Initiative „Gleich und berechtigt“ sei gut gewählt, weil dort Frauen ihr Selbstbewusstsein entdecken und entwickeln könnten. Der Name „Gleich und berechtigt“ stehe für etwas mehr als nur „gleichberechtigt“. „Manchen macht das Angst, aber ich habe mich längst daran gewöhnt“, sagte Schröder. Das Mehr sei die Aufgabe, Frauen im Alltag zu fördern, aber auch Dinge einzufordern. Dieses Engagement sei zur Nachahmung empfohlen.

Ines Eichhorn und Renate Stolzenwald von „Gleich und berechtigt“ nahmen den Preis entgegen. „Wir sind freudig überrascht“, sagten sie. „Es ist eine Ehre, dass wir einen Preis mit dem Namen Regine Hildebrandts erhalten.“ Sie sei ein Vorbild gewesen in ihrem Kampf für soziale Gerechtigeit. Die Arbeit des Vereins sei davon beflügelt worden. Der Hildebrandt-Preis sei eine Verpflichtung, die Arbeit fortzuführen, aber auch ein Zeichen, dass bisherige Leistungen geschätzt würden. „Für die Gleichberechtigung von Männer und Frauen gibt es noch viel zu tun. Wir brauchen dabei Unterstützung von der Politik, der Wirtschaft und allen Menschen“, sagte sie: „Und sagen Sie mir nich, das es nich jeht.“

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