Hochspannungsleitungen : Leuchtender Protest gegen Starkstromleitung

In Brandenburg formiert sich der Widerstand gegen Freileitungen. Sie befürchten gesundheitliche Schäden. Der Stromkonzern Vattenfall möchte in den nächsten Jahren mehrere solcher Trassen bauen, Erdkabel seien zu teuer.

Claus-Dieter Steyer
Unter Strom. Freileitungen lehnen viele Anwohner projektierter Trassen wegen befürchteter gesundheitlicher Schäden ab.
Unter Strom. Freileitungen lehnen viele Anwohner projektierter Trassen wegen befürchteter gesundheitlicher Schäden ab.Foto: Ilona Studre

Altlandsberg - Das am Freitag vor den Toren von Altlandsberg am nordöstlichen Berliner Stadtrand geplante Experiment klingt spektakulär: In der freien Landschaft aufgestellte Leuchtstoffröhren sollen sich ganz ohne Kabel oder Batterie einschalten und ihr Licht verbreiten. Allerdings steckt hinter dem um 20.30 Uhr an der Hönower Chaussee beginnenden Vorhaben keine Aktion im Sinne von „Physik zum Anfassen“, sondern die Idee einer Bürgerinitiative. Sie will zeigen, dass Leuchtstoffröhren allein durch das elektrische Feld unter einer Hochspannungsleitung funktionieren können. Damit möchte sie auf den „großen und gesundheitsgefährdenden Elektrosmog“ unter solchen Trassen aufmerksam machen und möglichst viele Anwohner zum Widerstand gegen eine neue 40 Kilometer lange Freileitung zwischen Neuenhagen am Berliner Stadtrand und Letschin im Oderbruch animieren. Seit dieser Woche liegen in den Rathäusern der von einer geplanten 110-KV-Leitung berührten Orte die Planungsunterlagen aus, gegen die jeder Betroffene bis Ende September seine Einwände vorbringen kann.

Auch in anderen Brandenburger Gegenden reagieren Anwohner derzeit beim Thema Hochspannungsleitung gereizt. Gleich drei große Trassen mit einer Gesamtlänge von 215 Kilometern sollen in den nächsten Jahren gebaut werden. Neben der Verbindung zwischen dem Umspannwerk in Neuenhagen und Letschin wollen die Energieunternehmen auch zwischen Neuenhagen und Bertikow und damit quer durch die Uckermark sowie zwischen Wittstock und Perleberg Leitungen ziehen. Überall verlangen Bürgerinitiativen die Verlegung von Erdstromkabeln, um gesundheitliche Schäden durch Elektrosmog, eine Zerstörung des Landschaftsbildes und Einschränkungen für die Landwirtschaft zu verhindern.

Unterstützung erhalten sie von den Grünen. „Wir brauchen ein brandenburgisches Freileitungs- und Erdkabelgesetz“, forderte Axel Vogel, der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag. Es sei etwa nicht hinzunehmen, dass das Unternehmen Vattenfall eine 380-KV-Leitung mit bis zu 80 Meter hohen Masten durch das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin baut, eines der schönsten Gebiete in Brandenburg. „In den märkischen Landschafts- und Naturschutzgebieten müssen Hochspannungsfreileitungen generell ausgeschlossen werden“, sagte Vogel. In Niedersachsen existiere so ein Gesetz bereits.Auch die gesundheitlichen Risiken durch elektromagnetische Felder seien bei Erdkabeln geringer. In Eberswalde dagegen solle die Freileitung unmittelbar an Wohngebieten vorbeigeführt werden.

Nach Angaben von Vattenfall, das die Firma „50 Hertz Transmission“ mit dem Bau der Uckermark-Leitung beauftragt hat, sind Erdkabel etwa fünf- bis zehnmal teurer als Freileitungen. Sie müssen in einem speziellen unterirdischen Schacht verlegt werden, von dem eine erhebliche Wärme ausgeht. Die Initiative „Biosphäre unter Strom“ verweist dagegen auf ein Gutachten, wonach die Mehrkosten eines Erdkabels nur 2,5-mal höher liegen. Die Hochspannungsleitung führt nach den bisherigen Planungen auch am Grumsiner Forst in der Nähe von Angermünde vorbei, der wegen seines Buchenreichtums bald zum Weltnaturerbe gehören soll. Die Unesco-Prüfer sind gerade unterwegs.

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