Der Tagesspiegel : ILA: 68 000 Fachbesucher und Auftragsvolumen von über 50 Milliarden Mark

Rainer During

Schlag 13 Uhr eroberten gestern die Berliner und Brandenburger die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung ILA 2000 auf dem Südgelände des Flughafens Schönefeld. Während sie auf dem Freigelände mit einem verstärkten Flugprogramm begrüßt wurden, schraubten einige besorgte Aussteller in den Hallen schnell noch einmal vor dem massiven Ansturm der Souvenirjäger die wertvollsten Exponate fest. Am Pfingstwochenende rechnen die Veranstalter bei anhaltend gutem Wetter mit bis zu 200 000 Besuchern.

Die ersten der 68 000 Fachbesucher und viele Topmanager der ausstellenden Firmen traten vor den anstürmenden Massen bereits gestern die Flucht an. Die Geschäfte im Gesamtvolumen von fünfzig Milliarden DM sind ohnehin getan, jetzt ist ein Riesenvolksfest angesagt. Schon gestern Nachmittag hatten sich Kind und Kegel auf den Weg nach Schönefeld gemacht. Doch zunächst einmal war Geduld angesagt. Denn auch bei der 5. ILA in der Hauptstadtregion sind die Zufahrtsstraßen zum Messegelände nur einspurig, geht es ab der Autobahnausfahrt Grünau nur im Zuckeltempo voran. Wegen der begrenzten Zahl von Parkplätzen ist die Nutzung der kostenlosen Zubringerbusse ab U-Bahn Rudow oder S-Bahnhof Schönefeld zu empfehlen. Doch auch sie stecken im Stau. Als optimale Verbindung gelten die halbstündlich verkehrenden Sonderzüge, die vom Bahnhof Schöneweide direkt bis zur ILA-Station rollen. Für die Diepenseer, deren Dorf für den Bau des geplanten Großflughafens umgesiedelt werden soll, stehen wieder chaotische Tage ins Haus: Eine Fahrzeugschlange wälzt sich durch ihre eher beschauliche Idylle.

Wer es aus der Autoschlange geschafft hat, der kann sich an den Schlangen vor den Kassen anstellen. Mit 25 DM ist man dabei. Ermäßigt kostet der Eintritt 15 DM, Kinder bis zum Alter von fünf Jahren sind frei. Wer dann einmal einen der Flieger auch von innen betrachten möchte, darf sich gleich wieder anstellen. Doch man wartete geduldig darauf, das der Airbusgroßtransporter "Beluga" endlich sein Riesenmaul öffnete oder Bord der "Awacs"-Boeing die Überwachungselektronik zu bestaunen. Die in Schönfeld gezeigte fliegende Aufklärungs- und Kommandozentrale trägt eine blaue Sonderbemalung mit den Flaggen der Mitgliedsländer und dem Logo "50 Jahre Nato". Sie ist eines der begehrtesten Fotoobjekte.

Ferngläser, Fotoapparte mit langen Teleobjektiven und Videokameras gehören zur Standardausrüstung vieler Besucher. Ihnen hat es besonders das Flugprogramm angetan. Viel Bewunderung findet eine Schweizer Flugstaffel mit neuen Turboprob-Trainingsflugzeugen mit denen sogar Kunstflug gezeigt werden darf. Denn derartige Manöver sind nur für Jets am deutschen Himmel verboten. So wird die französische "Patrouille de France", deren zehn Alpha-Jets gestern in Schönefeld eintrafen und heute auch nur einen waagerechten Vorbeiflug in Formation zeigen, wie es gestern bereits vier Tornados der Bundesluftwaffe demonstrierten.

"Klatschen hat keinen Sinn, den Applaus hören die Piloten bei ihren dröhnenden Düsentriebwerken ohnehin nicht", belehrt ein Moderator das Publikum. "Winken Sie mit allem was sie haben", muntert er dagegen die Zuschauer auf und bittet gleichzeitig eindringlich die Eltern darauf zu achten, dass ihre Kleinen die mitgeführten Luftballons nicht in die Einflugschneise starten lassen. Während dort Keith Hardley mit seinem Eurofighter "Luftkampfmanöver auf kurzer Distanz" vorführt und dem Besucher der Atem stockt, wollen sich die Amerikaner nicht in die Karten blicken lassen und zeigen mit ihrem Tarnkappenbomber "The Nighthawk" nur einfache Flüge. Dafür geht es bei der "Bundeswehr-Jet-Show" zu Musikbegleitung aus "Top Gun" alles an den Start, was die Luftwaffe zu bieten hat.

Auch die Traditionsflugzeuge wie Messerschmitt 109 und die Mustang haben militärischen Charakter und nur wenige Zivilvmaschinen gingen gestern an den Start. Entgegen der im Vorfeld geäußerten Kritik, finden Besucher offensichtlich Gefallen an den Kampf-Jets. Während sich auch am Boden um die Militärmaschinen dichte Menschentrauben bilden, bleiben die ein paar hundert Meter weiter geparkten Spotflugzeuge eher unbeachtet.

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