Der Tagesspiegel : „Immigranten zu vermieten“

Projekt will Vorurteilen abbauen

Bianca Weber

Potsdam. Bei einer Ausländerquote von nur zwei Prozent in Brandenburg, haben es die Inländer schwer, überhaupt mal Zugereiste kennen zu lernen, dachte man sich beim Verein „Gesicht zeigen“ und sann auf Abhilfe. Heraus kam das Projekt „Moderne Zeitzeugen – Rent an immigrant“.

Seit Juni 2002 läuft es unter der Schirmherrschaft von Brandenburgs Bildungsminister Steffen Reiche. Gestern wurde es in Potsdam erstmals öffentlich vorgestellt. „Der Name ist bewusst provokativ“, sagt Sophia Oppermann von „Gesicht zeigen“, „und somit ein guter Aufhänger für ein erstes Gespräch.“ Durch Vermittlung von „rent an immigrant“ sollen Migranten und deren Nachfahren Schulen besuchen und dort von sich erzählen. „Wenn man sich persönlich begegnet, verschwinden Vorurteile“, sagte Vereinschef Uwe-Karsten Heye. Das Besondere an „rent an immigrant“ sei, dass es zeige, dass „Fremde nicht nur Probleme machen, sondern das Leben bereichern“.

Wie das aussehen kann, zeigte ein kleiner Film, der die Inderin Sujata Banerjee bei ihrem Besuch in der Gesamtschule Woltersdorf zeigt. Sie hatte den Schülern indische Musik vorgespielt. Am Ende tanzten alle begeistert zu den fremden Klängen. Auch Streetworker Ilhan Emirli aus der Türkei schaffte es, die Jugendlichen, die er traf, von den Stühlen zu reißen. Die Schüler gaben ihm sogar ihre Adressen und baten ihn um türkische Hip-Hop-Musik.

Schauspielerin Türkiz Talay („SK Babies“) hat ebenfalls bei dem Projekt mitgemacht. Unter Vorbehalt, denn auch sie hatte Vorurteile gegenüber den Brandenburger Schülern, mit denen sie zusammenarbeiten sollte. Sie war unsicher, wie man sie als Türkischstämmige behandeln würde. Türkiz Talay hat die Realschule Forst und die Gesamtschule Welzow besucht. „Ich habe von dem Alltag eines Schauspielers erzählt und mit den Schülern dann auch eine Szene der SK Babies gespielt“, sagte Talay. Danach war das Eis gebrochen, Gespräche kamen in Gang. „Ich war erstaunt, wie sehr sich die Schüler vorab über mich, über die Türkei und über Migranten informiert hatten“, sagte Talay. Sie möchte das Projekt gerne weiter unterstützen, weil es beiden Seiten nütze. Die Finanzierung des Projektes, das in diesem Jahr durch das Bundesprogramm Civitas gefördert wurde, ist für das nächste Jahr indes noch nicht voll gesichert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben