Der Tagesspiegel : In Rathenow geht der Hortensien-Klau um Nachts werden aus den Sträuchern die neuen Triebe geschnitten

Claus-Dieter Steyer

Bei Kleingärtnern und Vorgartenbesitzern in und um Rathenow herrscht große Aufregung: Ein mysteriöser Hortensien-Klau geht um. Nachts steigen die Diebe über die Zäune, nehmen sich die Sträucher vor, schneiden aus der Mitte mit Messer oder Schere die neuen Triebe ab und verschwinden damit. Das mag sich wie ein schlechter Scherz anhören – wird von der Rathenower Polizei aber ernst genommen. Bis Dienstag gingen schon acht Anzeige aus Rathenow und den Nachbardörfern Döberitz und Böhne ein. „Der materielle Schaden ist vergleichsweise gering“, sagt Polizeisprecherin Catrin Feistauer. „So ein Strauch kostet nur zwischen fünf und zehn Euro. Außerdem wird er bei den meist fachmännisch vorgenommenen Schnitten nicht zerstört.“ Dennoch seien die Garten- und Grundstückseigentümer beunruhigt, weil sich fremde Personen auf ihrem Gelände aufgehalten hatten. Eine Spur zu den Tätern gibt es noch nicht.

Auch über das Motiv der Hortensien-Diebe kann nur spekuliert werden. Die abgeschnittenen Stängel können zwar als Stecklinge für eine Nachzucht verwendet werden, aber diese Methode ist sehr umständlich und daher eher ungebräuchlich. In Teilen der Drogenszene wird der vor 200 Jahren aus Asien und Amerika importierten Pflanze eine gewisse berauschende Wirkung nachgesagt. Doch beim Rauchen der getrockneten Blätter wird auch hoch giftige Blausäure frei.

Noch seltsamer: Im November vergangenen Jahres kam es bereits in Rathenows Partnerstadt Rendsburg in Schleswig-Holstein zu einem verstärkten Klau von Hortensien- Trieben. Die Polizei musste hier und in der Umgebung mehr als 1000 Anzeigen bearbeiten. Heute vermuten die Rendsburger Beamten dahinter eine Art „Selbstläufergeschichte“: Die Diebe konnten sich bald eines erheblichen Medienechos sicher sein und so schlugen sie immer wieder zu, sagte ein Polizeisprecher. Es habe viele Trittbrettfahrer gegeben und schließlich sei gar von einer „Hortensienmafia“ die Rede gewesen. Die Täter aber wurden „trotz intensiver Ermittlungen“ nie ermittelt.

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