Der Tagesspiegel : Interflug: Fliegendes Uhrenmuseum

Rainer W. During

Die vier Turbinen dröhnen, immer schneller drehen sich die Propeller, als die fast vierzig Jahre alte Iljushin beim Start über die Schönefelder Piste rast. Bis zum Ende der Interflug war die russische Turbopropmaschine bei der DDR-Fluggesellschaft Interflug im Einsatz, jetzt ist sie für ein Wochenende an ihren einstigen Heimatflughafen zurückgekehrt.

Die 100 Sitze mit ihren schon etwas abgewetzten Stoffbezügen sind bis auf den letzten Platz belegt. 149 Mark lassen sich nostalgische Luftfahrtfans den Rundflug mit dem Oldtimer kosten. Am Rumpf klebt neben der ukrainischen Fahne noch immer das Berliner Wappen. Für die Kryla Air Company transportiert die einstige "DDR-STP" seit 1994 unter anderem Austausch-Schiffsbesatzungen bis nach Namibia. "Das ist noch Fliegen pur ohne Elektronik" freut sich einer der Freaks, die bis aus der Schweiz angereist sind, um in der spartanisch ausgestatteten Kabine Luftfahrtgeschichte zu erleben. Und als Flugkapitän Alexej Yakymchuk sich gut eine halbe Stunde später nach der Landung für den aufgrund der Wetterlage etwas unruhigen Flug entschuldigt, winken seine Passagiere ab. "Nur die Landung war etwas weich", klagt ein besonders hartgesottener Fan dem verdutzten Piloten sein Leid. Für die Iljushin-18 Flight Association Germany waren die Rundflüge der vorläufige Höhepunkt gut einjähriger Bemühungen. Ziel des rund 100 Mitglieder zählenden Vereins ist, eine der ehemaligen Interflug-Maschinen wieder fest in Schönefeld zu stationieren und damit von hier aus zu nostalgischen Luftreisen zu starten. Ein erster Schritt ist gemacht. Eine ehemalige DDR-Crew nutzte das Gastspiel der ukrainischen Maschine, um bei einem Checkflug ihre Pilotenlizenzen für diesen Typ durch das Luftfahrtbundesamt erneuern zu lassen. Jetzt wird mit verschiedenen Betreibern verhandelt.

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