Der Tagesspiegel : Jeder Sechste flüchtet nach einem Unfall

40 Prozent aller Fälle werden aufgeklärt. Am Wochenende gab es neun Tote auf Brandenburgs Straßen

Claus-Dieter Steyer

Cottbus – 3,31 Promille Alkohol im Blut, Unfall gebaut und geflüchtet – weit kommt der Cottbuser Autofahrer aber nicht. Denn die Insassen des beim Aufprall an der Kreuzung beschädigten Pkw haben sich das Kennzeichen notiert und sofort die Polizei verständigt. Die ermittelt in wenigen Minuten den Fahrzeughalter und nimmt ihn mit aufs Revier. Der 39-jährige Mann füllt mit diesem Delikt nicht nur sein Punktekonto im Flensburger Zentralregister, sondern auch die Statistik über Unfallflucht in Brandenburg. Demnach versucht fast jeder sechste Unfallverursacher, sich durch Wegfahren der Verantwortung zu entziehen.

Auch wenn Brandenburg in der allgemeinsen bundesweiten Unfallstatistik weit vorne liegt, gilt dies bei der Zahl der Unfallfluchten nicht. Denn im Bundesdurchschnitt liegt der Anteil bei 20 Prozent. In Brandenburg sind es in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 16,3 Prozent (Vorjahr 17,4 Prozent). Auch bei der Aufklärungsquote sieht es in der Mark etwas besser aus: Gut 40 Prozent der Fahrer werden ermittelt, bundesweit sind es 30 Prozent. Nur bei Bagatellschäden auf Parkplätzen lohnt sich meist der Aufwand nicht. Es sei denn, andere Zeugen konnten sich das Kennzeichen des Fahrzeugs merken und benachrichtigten die Polizei.

Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) will die leicht positive Entwicklung in Brandenburg jedoch nicht überbewerten. Er hoffe aber, dass der Rückgang ein Signal für eine Trendwende im Straßenverkehr sei. Wer nach einem Unfall wegfahre, ohne sich um den angerichteten Schaden zu kümmern, offenbare ein hohes Maß an Verantwortungslosigkeit und Rücksichtslosigkeit, sagte Schönbohm gestern.

Die geringer gewordene Zahl von Unfallfluchten hängt nicht zuletzt mit den etwas gesunkenen Unfallzahlen zusammen. Von Januar bis Mai starben auf Brandenburgs Straßen 103 Menschen, ein Jahr zuvor waren es 120. Rund 33 800 Unfälle bedeuteten einen Rückgang im Jahresvergleich um 2,8 Prozent. An diesem Wochenende allerdings war von einer solchen Enwicklung nichts zu spüren. Von Freitag bis zum Sonntagnachmittag starben neun Menschen, vorwiegend sehr junge Leute, auf Brandenburgs Straßen. Im Landkreis Prignitz prallte ein vollbesetzter Pkw gegen einen Straßenbaum, eine 14-Jährige und ein 19-Jähriger starben noch am Unfallort. In derselben Region verunglückte außerdem eine 18-jährige Frau tödlich. Unter den Toten des Wochenendes waren auch zwei Motorradfahrer.

Die Polizei konzentriert ihre Kontrollen längst nicht mehr nur auf Geschwindigkeit, sondern verstärkt auf Drogen- und Alkoholeinfluss. Bei „Drogenunfällen“ starben im Vorjahr drei Menschen, 45 wurden verletzt. Bei alkoholbedingten Unfällen kamen 23 Menschen ums Leben, 1128 Personen erlitten Verletzungen. Insgesamt starben im vergangenen Jahr 330 Menschen auf brandenburgischen Straßen. Damit nimmt das Bundesland nach wie vor eine Spitzenstellung in der bundesdeutschen Statistik ein. Hinweise zum richtigen Verhalten und zur Suche nach Fällen von Fahrerflucht veröffentlicht die Polizei auf ihrer Internetseite www.polizei.brandenburg.de.

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