Jimmy James : Durch den Tunnel floh er aus dem KZ

Der frühere KZ-Häftling Jimmy James ist gestorben. Seine Erinnerungen sind nachzulesen in seiner Autobiographie: "Pechschwarze Nacht - Ein Leben für die Flucht".

Andreas Wilhelm

Oranienburg - Ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle. Wer ihn kennengelernt hat, traf in Bertram „Jimmy“ James einen warmherzigen und humorvollen Menschen. Er war der letzte lebende Brite, der im KZ Sachsenhausen in Oranienburg inhaftiert war, und engagierte sich bis zum Schluss als Vizepräsident des Internationalen Sachsenhausen-Komitees – einer Gemeinschaft ehemaliger Häftlinge. Besondere Popularität erlangte Jimmy James, der jedes Jahr aus seinem Heimatort Ludlow in England nach Sachsenhausen kam, aber durch seine Fluchtversuche. Gleich zweimal gelang es dem britischen Kampfpiloten, aus deutschen Lagern auszubrechen. Nun ist Jimmy James, wie die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten mitteilt, im Alter von 92 Jahren verstorben.

1940 war James als Pilot der Royal Air Force bei einem Flug über die Niederlande abgeschossen und in das Kriegsgefangenenlager „StaLag-Luft III" im niederschlesischen Sagan, etwa 160 Kilometer südöstlich von Berlin, gebracht worden. Von dort aber gelang ihm im März 1944 die Flucht – als einem von etwa 76 Gefangenen, die durch einen selbst gegrabenen 100 Meter langen Tunnel ausbrechen konnten. Doch James war auch einer der 73 Engländer, die bald wieder gefasst wurden. Nur drei konnten den Überlieferungen zufolge entkommen. Doch schon mit dieser Aktion ist James, der damals 28 Jahre alt war, bereits Teil der Geschichte geworden: Es war der größte Massenausbruch aus einem deutschen Kriegsgefangenenlager im Zweiten Weltkrieg. 1963 wurde er als „The Great Escape“ („Gesprengte Ketten“) mit Steve McQueen und Charles Bronson verfilmt.

50 der Piloten wurden später von der SS erschossen. James kam ins KZ Sachsenhausen – wo er allerdings nicht wie das Gros der Häftlinge untergebracht war, sondern trotz seines Fluchtversuchs als Angehöriger der Royal Air Force einen Sonderstatus hatte, wie der Sprecher der Gedenkstättenstiftung Horst Seferens erklärt. James unternahm abermals einen Fluchtversuch – wieder grub er sich durch die Erde, wieder gelangte er hinter die Zäune, und wieder wurde er nach wenigen Tagen gefasst. „Diesmal steckte ihn die SS in den Zellenbau“, sagt Seferens, „einen Hochsicherheitstrakt mit hohen Mauern“. Später wurde er mit anderen englischen Kriegsgefangenen nach Italien gebracht, wo ihn schließlich Partisanen befreiten.

Jedes Jahr,wenn James nach Sachsenhausen zum Gedenktag der Befreiung gekommen sei, habe er auch englischsprachige Gruppen durch das Lager geführt, erzählt Seferens. „Für die Aufarbeitung der Geschichte, gerade der Engländer in Sachsenhausen, war er sehr wichtig.“ Die meisten der inhaftierten Briten seien Geheimdienstler gewesen. „Die hat die SS kurz vor Befreiung des Lagers ermordet.“

Anlässlich seines Todes wurde James in der „Sunday Times“ als „größter lebender Kriegsheld Großbritanniens“ gewürdigt. Seferens sagt, James selbst habe sich nicht so gesehen. „Dafür war er viel zu bescheiden.“ Andreas Wilhelm

Die Erinnerungen von Bertram „Jimmy“ James sind nachzulesen in seiner Autobiografie: „Pechschwarze Nacht – Ein Leben für die Flucht“. Edition Grüntal Verlag, Berlin, 222 Seiten, 19,90 Euro.

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