Der Tagesspiegel : Joey Kelly: Ironman im Schlosspark

Sie waren beim Berlin-Marathon wieder nur als Zuschauer dabei? Sie haben sich vorgenommen, endlich ins Lauftraining einzusteigen? Dann folgen Sie einfach unseren Routen. Prominente Läufer – Profis und Hobby-Athleten – verraten, wo joggen in Berlin am schönsten ist

Joey Kelly

ACHTUNG, FERTIG, LOS! LAUFEN MIT DEM TAGESSPIEGEL (1)

Berlin ist großartig zum Laufen, viel besser als Brüssel oder Frankfurt oder Amsterdam. Meine Trainingseinheiten zwischen eineinhalb und zweieinhalb Stunden drehe ich am liebsten im Schlosspark Charlottenburg. Der wurde ja vor mehr als 200 Jahren als erster Barockgarten in Deutschland angelegt. Es ist schon etwas Besonderes, auf buntem Kies zwischen Zierbeeten und Springbrunnen zulaufen, vorbei am Schinkel-Pavillon und an Säulenresten des Berliner Doms. Die Wiesen laden zum Stretchen ein, die langen Geraden zu einem flotten Sprint.

Eigentlich ist dieser Park fast zu schön zum Laufen. Wenn ich überlege, an welch unwirtlichen Orten ich mich auf der Welt sonst schon rumgequält habe. Beim Badwater-Run zum Beispiel, im Tal des Todes, dem tiefsten Punkt der USA, wo es hinauf geht zum Mount Whitney – über 217 Kilometer weit. 3000 Höhenmeter sind zu überwinden bei 50 Grad und mehr. Ich habe 55 Stunden gebraucht.

Ich erinnere mich an den Marathon de Sable – da ging’s durch die Sahara. Oder den Desert Cup in Jordanien. Und dann der Everest Run in Nepal: 100 Meilen durch den Himalaya. Da wurde ich Neunter von 54 Teilnehmern. Aber am schlimmsten ist das Idita Race in Alaska. Da geht es 100 Meilen weit durchs Eis. Ganz ehrlich, Kälte ist nicht meinElement.

Eigentlich ist meine Schwester Patricia schuld, dass ich zum Ausdauersport gekommen bin. 1997 haben wir gewettet, dass ich einen kleinen Triathlon durchstehe. Vorher habe ich bisschen geboxt, bin aber nie auf einem Rennrad gesessen oder länger geschwommen. 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Rad und 10 Kilometer Laufen, das erschien mir machbar. Die Ausrüstung hatte ich mir zusammengeliehen. Leider war der Neoprenanzug zu eng und ich bin viel zu schnell losgeschwommen. Nach 100 Metern klammerte ich mich völlig ausgepumpt an eine Boje. Langsam bin ich zurück zum Ufer, um die viel zu enge Gummipelle loszuwerden. Als ich endlich mit Badehose ins 17 Grad kalte Wasser stieg, kamen mir die ersten Athleten schon wieder entgegen. Und ich hatte die ganze Strecke noch vor mir. Naja, nach dreieinhalb Stunden bin ich durchs Ziel und dachte mir: Hurra, Wette gewonnen. Mit diesem Sport wollte ich nie wieder was zu tun haben.

Aber schon ein paar Tage später dachte ich: Verdammt, wenn du ein bisschen trainierst, dann kannst du wesentlich schneller sein. Und Spaß machte es eigentlich auch, nachdem ich gelernt hatte, wie man eine Rennradschaltung bedient. Noch im selben Jahr habe ich den deutschen Ironman in Roth mitgemacht, wo ich nach 120 Kilometern mit dem Rad gestürzt bin und mir das Schlüsselbein gebrochen habe. Die Ärzte haben mir eine Schlinge zum Stabilisieren gegeben, damit habe ich den Marathon auch noch durchgestanden.

Im Jahr darauf habe ich schon acht Ironman-Triathlons gemacht, in Neuseeland, Australien, Hawaii, Kanada, Brasilien, Lanzarote, Roth und Zürich, dazu den Ultra-Triathlon in Hawaii über 10 Kilometer Schwimmen, 430 Kilometer Rad und 84 Kilometer Laufen. Das war die Weltmeisterschaft und ich bin Siebter geworden, sogar Dritter in meiner Altersklasse, in 25 Stunden und 56 Minuten.

Inzwischen habe ich 28 Marathons hinter mir, den schnellsten in 3 Stunden und 2 Minuten. Am liebsten laufe ich für die Unicef-Staffel. Da macht die ganze Trainiererei doch wenigstens Sinn.

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