Der Tagesspiegel : Kandidaten für Cottbus

Nach der Abwahl von Karin Rätzel: Die Stadt in der Lausitz sucht einen Bürgermeister

Michael Mara

Cottbus/Potsdam - „Es ist vorbei! Es ist ein klares Votum der Wähler. Ich bin nicht bitterböse, sondern entspannt und werde mich jetzt ins Privatleben zurückziehen.“ Mit diesen Worten hat die Cottbuser Oberbürgermeisterin Karin Rätzel (parteilos) am Montag ihre Abwahl bei einem Bürgerentscheid am Sonntag kommentiert. Wegen der hohen Hürden hatte kaum jemand mit der Abwahl Rätzels gerechnet – doch statt der benötigten 22 000 strömten fast 30 000 Cottbuser in die Wahllokale, um die offenbar überforderte und von der Stadtverordnetenversammlung boykottierte Oberbürgermeisterin „in die Wüste zu schicken“. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) nannte ihre Abwahl gestern eine Chance für einen Neuanfang.

Mit der Abwahl Rätzels ist die Durststrecke, die die zweitgrößte Stadt Brandenburgs derzeit durchmacht, allerdings noch lange nicht zu Ende. Rätzel wird zwar „mit Ablauf“ des Tages aus dem Amt scheiden, an dem der Wahlausschuss das endgültige Wahlergebnis feststellt: Das ist der kommende Donnerstag. Einen Tag später will die Stadtverordnetenversammlung dann bestimmen, welcher der beiden Dezernenten die Amtsgeschäfte bis zur Neuwahl des Oberbürgermeisters führen wird.

Doch wann der neue Oberbürgermeister sein Amt antreten wird, ist offen. Wie das Innenministerium gestern bestätigte, muss innerhalb von vier Monaten ein neuer Oberbürgermeister gewählt werden, also bis Anfang November. Wahrscheinlich wird das Innenministerium einen Wahltermin im Oktober festlegen. Ob aber bereits im ersten Wahlgang ein neuer Oberbürgermeister gewählt wird, gilt als eher unwahrscheinlich. Unter den bisher bekannten Kandidaten ist keiner, dem ein glatter Durchmarsch zugetraut wird – auch wenn sich SPD und CDU Chancen auf den Oberbürgermeister-Sessel ausrechnen. Derzeit stellt die CDU zwei, die SPD einen Oberbürgermeister.

Die SPD schickt die am Sonntag zur Vize-Landeschefin gewählte Stadt- und Landtagsabgeordnete Martina Münch ins Rennen, die zu den Hoffnungsträgern in der Partei zählt. „Sie ist in Cottbus sehr bekannt und kann die Stadt wieder zusammenführen“, glaubt der ebenfalls gerade erst gewählte SPD-Generalsekretär Klaus Ness. Hingegen meint CDU-Generalsekretär Sven Petke, dass es ein Fehler der SPD gewesen sei, die OB-Kandidatin am Sonntag nur mit 74 Prozent zur Vize-Landeschefin zu wählen. Die CDU, die die stärkste Fraktion im Stadtparlament stellt, hat sich noch nicht entschieden, wen sie ins Rennen schicken wird: „Die Cottbuser CDU wird das in den nächsten 14 Tagen tun“, so CDU-Landeschef Jörg Schönbohm gestern. Wie bei der SPD soll es auch bei der CDU eine „Cottbuser Lösung“ geben. Wie es heißt, will man gründlich prüfen, ob mögliche Kandidaten nicht in Cottbuser Affären verwickelt sind. Für die Linkspartei/PDS will Eberhard Richter kandidieren, der Fraktionsvorsitzende.

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