Der Tagesspiegel : Kein Freundschaftsspiel im Stadion der Freundschaft

Der DFB lehnte eine U 21-Begegnung Deutschland gegen Polen in Cottbus aus Sicherheitsgründen ab. Jetzt sind alle verärgert

Sandra Dassler/André Görke

Cottbus. Selten sind sich Potsdam und Cottbus so einig: „Das lassen wir uns nicht gefallen“, schimpft die Oberbürgermeisterin der südbrandenburgischen Stadt, Karin Rätzel. „Ungeheuerlich – bei uns hat nie jemand gefragt“, erregt sich der Sprecher des Innenministeriums, Heiko Homburg. Und dabei geht es nur um Fußball, genauer: um ein Freundschaftsspiel der beiden U 21-Nationalmannschaften Deutschlands und Polens, das am 4. September stattfinden sollte. Cottbus hatte sich beim DFB um die Austragung beworben. „Das Stadion der Freundschaft wurde ja wegen seiner Nähe zu Polen auch mit EU-Mitteln ausgebaut“, begründet ein Sprecher der Stadt die Bewerbung: „Beim Zweitligisten Energie Cottbus spielen polnische Fußballer – da liegt es nahe, so ein Spiel hierher zu vergeben.“

Doch der DFB lehnte ab. Die Begründung – man habe erhebliche „Sicherheitsbedenken“– erzürnte zunächst Cottbuser. Oberbürgermeisterin Rätzel schrieb an den DFB, der berief sich auf die Einschätzung der Zentralen Informationsstelle Sport beim Landeskriminalamt Düsseldorf. Darin stehe, dass der Landesinformationsstelle für Sporteinsätze (LIS) in Potsdam „konkrete Hinweise aus Teilen der gewaltbereiten Fußballfanszene“ vorliegen, das geplante Spiel in Cottbus als „Bühne zu nationalextremen, politischen Haltungen zu nutzen“.

Doch die LIS in Potsdam habe nie eine Einschätzung zum Cottbus-Länderspiel abgegeben, sagt Ministeriumssprecher Homburg: „Weder die LIS, noch das Innenministerium – niemand hier wurde gefragt. Wir hätten auch keine Sicherheitsbedenken gehabt. In Cottbus finden Bundesliga-Spiele statt, unsere Einsatzkräfte sind geschult, wir kennen die wenigen gewaltbereiten Jugendlichen und arbeiten sehr gut mit polnischen Kollegen zusammen.“

Gerade in diese Zusammenarbeit hat man in Düsseldorf aber offenbar kein Vertrauen. Denn nachdem die Empörung immer größer wurde, stellten die Kriminalisten dort klar: „Wir wussten gar nichts von Cottbus – nur, dass das Spiel an der Ostgrenze stattfinden sollte. Das hielten wir für ungünstig, weil es 1996 beim Spiel Deutschland – Polen in Zabrze in der Nähe von Auschwitz zu antisemitischen Ausschreitungen durch Deutsche kam. Gewaltbereiten polnischen Hooligans könnte dies nun als Vorwand für Revanche-Aktionen dienen.“ Außerdem habe man Bedenken wegen des Datums: im September vor 65 Jahren hatte Hitler Polen überfallen. „Blödsinn“, kommentiert Energie-Manager Klaus Stabach solche Ängste: „Polen kommt in die EU, und wenn wirklich welche randalieren wollen, tun sie das anderswo genauso.“

Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) will sich jetzt direkt an den DFB-Präsidenten wenden. Das Spiel ist auf November verlegt. Der Austragungsort steht noch nicht fest.

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