Der Tagesspiegel : Kinder-Überraschung

Potsdams Geburtenrate ist Spitze in Brandenburg – und auch höher als in Berlin

Philipp Lichterbeck

Potsdam - Glückliches Potsdam. Nirgendwo in Brandenburg werden mehr Kinder geboren, und auch im Geburtenvergleich mit den anderen deutschen Landeshauptstädten schneidet Potsdam hervorragend ab. Genau 1423 Kinder kamen 2006 in Potsdam auf die Welt. Damit hat sich die Geburtenzahl auf einem hohen Niveau eingependelt, denn auch in den Jahren 2004 und 2005 gab es jeweils rund 1400 neue kleine Potsdamer. Der dramatische Geburtenknick der Nachwendejahre ist damit überwunden. Wegen Abwanderung und Perspektivenlosigkeit, aber auch weil die Frauen begannen, später Kinder zu kriegen, war die Geburtenzahl 1993 auf nur noch 613 gefallen. 1989 hatte sie noch bei 1660 gelegen. Erst ab Mitte der neunziger Jahre nahm sie wieder zu.

Richtig beeindruckend ist die Geburtenrate: Pro tausend Bewohner werden in Potsdam 9,7 Babys geboren. Damit übertrifft die Stadt nicht nur Berlin (8,7), sondern ist auch in Brandenburg Spitze: Auf 1000 Cottbuser kommen 7,4 Geburten, in Frankfurt (Oder) bekommen 1000 Einwohner 7,3 Kinder. Der Brandenburger Durchschnitt liegt bei 7,1. Unter den deutschen Landeshauptstädten liegt Potsdam nach München (10,2) und Wiesbaden (9,8) gemeinsam mit Dresden auf dem dritten Platz. Auf die Zahl der Kinder pro Familie hat das allerdings noch keine Auswirkungen: Sie liegt in Potsdam weiterhin bei durchschnittlich 1,3 und entspricht damit dem deutschen Mittelwert.

Potsdam erfreut sich heute als eine der wenigen deutschen Großstädte eines natürlichen Bevölkerungswachstums. Das heißt: Es werden mehr Kinder geboren, als Alte sterben. Für diesen Anstieg sind vor allem junge Zuzügler verantwortlich: Vor allem Männer und Frauen unter 30 und junge Paare ziehen nach Potsdam

Die Stadt „hat nicht nur eine Universität, sondern bietet auch qualifizierte Arbeit in einem der Forschungsinstitute oder einer der mittelständischen Firmen, die die Wirtschaft prägen“, wie der Soziologe Erhard Stölting von der Uni Potsdam die Attraktivität der Stadt erklärt. Außerdem gebe es genügend gute Schulen, die besonders für gebildete Eltern mit Kinderwunsch wichtig seien. Für Stölting ist Potsdam „das größte Fettauge im Berliner Speckgürtel.“ Er kommt damit auf die wichtige Rolle der Metropole zu sprechen: „Wer nach Potsdam zieht, tut es, weil er oder sie schnell in Berlin ist“ – und rund ein Fünftel der Neu-Potsdamer hat vorher selbst in Berlin gelebt. Nicht zuletzt habe Potsdam auch einen hervorragenden Ruf als lebenswerte, grüne Stadt, sagt Stölting. Schon dieser Ruf „hat ein Eigengewicht“, glaubt Stölting.

Dazu kommt: „Die Rahmenbedingungen für Kinder stimmen“, wie Matthias Förster, Statistiker der Stadtverwaltung, die vielen Geburten erklärt. Ausschlaggebend dafür dürften auch die guten Betreuungsmöglichkeiten sein. 52 Prozent der Potsdamer Kinder besuchen eine Kita, in Brandenburg und Deutschland sind es jeweils nur 48 Prozent. So gut wie alle Potsdamer im Alter zwischen drei und sechs Jahren haben einen Kitaplatz. In den 86 Potsdamer Kitas und Schulhorten werden heute insgesamt 10 760 Kinder betreut. Und weil der Bedarf weiter steigen wird, will die Stadt bis 2008 rund 1000 neue Kitaplätze schaffen. Schon jetzt werden jährlich rund 30 Millionen Euro für die Kinderbetreuung ausgegeben.

Während also aus weiten Landesteilen Brandenburgs die Menschen abwandern, ist die Einwohnerzahl Potsdams seit der Wende deutlich gestiegen: Lebten hier 1991 rund 139 000 Menschen, sind es heute sind es fast 148 000. Damit ist Potsdam von allen deutschen Landeshauptstädten diejenige mit dem größten Einwohnerzuwachs. Prognosen der Universität Potsdam zufolge soll die Stadt bis zum Jahr 2030 sogar auf 160 000 Einwohner wachsen – ein Plus von zehn Prozent. Cottbus, Frankfurt (Oder) und Brandenburg/Havel dürften hingegen um jeweils 21 Prozent schrumpfen, so die Wissenschaftler.

Die Potsdamer aber werden nicht nur zahlreicher. Die vielen jungen Leute und ihre Kinder haben das Durchschnittsalter bereits jetzt auf 41,4 Jahre gesenkt. Nur in Mainz und Kiel liegt es noch darunter. Doch Potsdam arbeitet daran, die Familienfreundlichkeit noch zu erhöhen: Ab Oktober soll es einen Familienpass geben, der zur ermäßigten Nutzung vielfältiger Angebote in der Stadt berechtigt. Die Wohnungsgesellschaft Pro Potsdam bietet Familien mit Zuwachs schon heute die Vermittlung größerer Wohnungen an – und einen halbjährigen Mieterlass für das Kinderzimmer.

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