Kletterwälder : Ein Felsen zum Abhängen

Im Strausberger Kletterwald „Climb up“ ist Abenteuer angesagt – vom Zwergenparcours bis hin zur Höhlenerkundung ist für jeden etwas dabei.

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Alles im Griff. Klettern kostet nicht nur Kraft und Mut. Die Akrobatik in der Luft fordert auch den Geist heraus. Jeder Schritt will präzise überlegt sein – wie hier an dem künstlichen Felsen „The Rock“.
Alles im Griff. Klettern kostet nicht nur Kraft und Mut. Die Akrobatik in der Luft fordert auch den Geist heraus. Jeder Schritt...Foto: Climb up

Klick-Klick, Klick-Klick, klappert es ringsum in den Baumkronen. „Juhuuu“, schallt plötzlich eine Stimme durch den Wald. Ein zierliches Mädchen – zwölf, vielleicht dreizehn Jahre alt – schwingte sich gerade geschickt wie ein Eichhörnchen von Wipfel zu Wipfel und saust an einer Seilrutsche herunter.

„Das ist so coool!“, kreischt sie begeistert nach der Landung, klinkt ihre Karabiner vom Stahlseil aus und sieht sich bereits nach einer neuen Herausforderung um. Am Boden klopfen ihr noch drei Freundinnen voller Anerkennung auf die Schulter.

Denn was von unten einfach aussieht, ist eine Kunst für sich. „Klettern erfordert Kraft und Mut“, sagt Steve Piering. Der Mann betreibt gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Frank Schreiber den Kletterwald „Climb up“ in Strausberg, den ersten in Brandenburg. Seit dem Saisonstart Ende März herrscht hier schon in den frühen Vormittagsstunden reges Treiben.

Bis zu 100 Menschen können auf dem 35 000 Quadratmeter großen Gelände gleichzeitig klettern. Dabei wurde die großzügige Lage wohlüberlegt gewählt, man wolle den Besuchern ein besonderes Naturerlebnis bieten. „Im Sommer, wenn alles so richtig grün und zugewachsen ist, kann man den Wald aus einer völlig neuen Perspektive erleben“, schwärmt Piering.

Die Akrobatik in der Luft fordert den Geist heraus

Trotz aller Romantik: Im Kletterwald ist vor allem Abenteuer angesagt. „Mal was anderes als Game Boy, Xbox oder Kino“, sagt Piering. Flying Fox, Challenge, Extreme: Einige der insgesamt zwölf Parcours in Strausberg versprechen spektakuläre Erlebnisse. „Der Extreme hat’s ordentlich in sich“, sagt Piering. Davon sollten sich die Besucher aber nicht irreleiten lassen. Man müsse definitiv kein Extremsportler sein, um hier auf seine Kosten zu kommen. Mit dem Angebot wolle man vielmehr die breite Masse ansprechen.

Egal ob Jung oder Alt, Groß oder Klein: „Klettern kann jeder“, beteuert Piering, „ohne besondere Erfahrung“. Auch Menschen mit geistigen oder körperlichen Handicaps. „Ich bin immer wieder erstaunt, wie geschickt sie sich anstellen, und die Übungen sogar mit nur einem Arm meistern.“

Dabei bieten wackelige Hängebrücken, Netze in luftiger Höhe oder schwingende Holzplanken beste Voraussetzungen für ein Gleichgewichtstraining. Vor allem Motorik und Körperbeherrschung werden geschult.

Doch die Akrobatik in der Luft fordert nicht nur den Körper, sondern auch den Geist heraus. Jeder Schritt will schließlich präzise überlegt sein. „Es sind zwar keine Knobelaufgaben“, sagt Piering schmunzelnd. Trotzdem seien auf dem Weg zum Ziel Konzentration und Kreativität gefragt. „Deshalb haben wir bewusst auf Piktogramme verzichtet“, sagt er.

Sicherheit geht vor

Klettern als Denksport? Das klappt mit der richtigen Anleitung. Der Gang über den Einweisungsparcours ist Pflicht. Dort erklärt ein Guide die wichtigsten Regeln und Handgriffe. Die Sicherheit geht dabei immer vor. Balancieren, schaukeln, rollen oder abhängen: Das geht nur mit Helm, Handschuhen und Gurt. Abstürzen kann man nicht. Zwei Karabinerhaken sichern die Kletterer.

Dennoch habe das Klettern einen wichtigen pädagogischen Nutzen, es stärke das Verantwortungsgefühl, meint Sören Priebe, Klassenlehrer vom Berliner Dathe-Gymnasium, der an Wandertagen gerne solche Ausflüge organisiert. „Bei der Einweisung werden die Schüler auf einmal sehr ruhig und hören aufmerksam zu.“ Viele hätten einfach Respekt davor. „Daran merkt man, dass es Großstadtkinder sind.“

Zur Orientierung sind die Parcours wie Skipisten grün, rot oder schwarz markiert. So kann man leicht zwischen verschiedenen Höhen und Schwierigkeitsgraden wählen. Denn das Schöne am Klettern ist: Für jeden ist etwas dabei. In Strausberg können selbst die kleinsten Abenteurer ihr Geschick testen. In einem Zwergenparcours dürfen schon Kindergartenkindern ab drei Jahren 27 spannende Kletterübungen ausprobieren.

Sein Zukunftstraum: ein ganzer Gebirgszug

Doch das eigentliche Highlight steht etwas abseits, am Rande des Kletterwaldes. „The Rock“, ein fünf Meter hoher Felsen aus Beton, ragt aus der Wiese empor. Jede Wölbung, jeden Winkel habe ein Künstler mit Kelle von Hand modelliert, erzählt Piering. Alle Tritte und Griffe sind natürlichen Strukturen nachempfunden – keine Spur von bunten Plastikgriffen, die bei Kletterwänden üblich sind. Das macht das Ganze anspruchsvoller.

Geklettert wird dabei nicht nur am Fels, sondern auch in den Höhlen. 20 bis 40 Minuten brauche ein geübter Kletterer, um den Felsen zu erobern, meint Piering. „Hier oben zu stehen, ist eine ziemlich geile Sache“, grinst er verschmitzt. Bei den Besuchern komme die Idee gut an. „Sie sind begeistert, wo kann man in Brandenburg sonst Bergklettern?“

Deshalb haben Piering und sein Geschäftspartner Schreiber Großes vor. Wo heute noch der einsame Klotz steht, soll in Zukunft ein ganzer Gebirgszug entstehen, etwa so groß wie ein Fußballfeld. Die einzelnen Elemente sollen mit Hängebrücken, Seilrutschen und Netzen verbunden werden. Im vergangenen Jahr haben die Männer sogar eine Crowdfunding-Aktion gestartet, um das Projekt zu finanzieren. „Das ging leider in die Hose.“ Jetzt wollen sie den Bau aus eigenen Mitteln stemmen. Schritt für Schritt eben.

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