Knobelsdorff-Fassade : Plattner schenkt Potsdam das Schloss

Der SAP-Gründer und Milliardär Hasso Plattner spendet 20 Millionen Euro, damit das geplante Potsdamer Stadtschloss seine berühmte Knobelsdorff-Fassade bekommt. Schon bald soll eine Vermarktungsgesellschaft gegründet werden.

Thorsten Metzner
Stadtschloss Potsdam
Ein Geschenk für Potsdam. -Foto: Christopher Kühn

PotsdamPotsdam bekommt sein Stadtschloss wieder, das über Jahrhunderte die Mitte der preußischen Residenz prägte. Hasso Plattner, Gründer des Software-Unternehmens SAP, spendet dem Land Brandenburg dafür 20 Millionen Euro. Das gaben Plattner und Finanzminister Rainer Speer (SPD) am Dienstag bekannt, nachdem zuvor eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet wurde. Mit der zweckgebundenen Schenkung kann der künftige Brandenburger Landtag, der bis 2011 auf dem Alten Markt errichtet wird, nun doch komplett mit der historischen Fassade des berühmten, aber zu DDR-Zeiten gesprengten KnobelsdorffBaues versehen werden. „Es ist eine historische Chance: Wenn die Potsdamer das Stadtschloss wollen, soll es nicht am Geld, nicht an finanziellen Engpässen scheitern“, sagte Plattner.

Die Nachricht wurde in Potsdam über Parteigrenzen hinweg begrüßt. Nach eigenen Angaben hatte Plattner die grundsätzliche Spendenbereitschaft gegenüber Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) schon vor einigen Wochen bekundet. Platzeck sagte, er sei Plattner „zutiefst dankbar“, dass er „auf zweierlei Art in Potsdam für Zukunft sorgt“: mit seinem Engagement für Bildung und nun für das Bild der Stadt. „Das Stadtschloss wird seine Magnetwirkung entfalten“, bekräftigte Platzeck. Er verwies auf den Stellenwert des Gebäudes für das Stadtgefüge, für die Entwicklung der Residenz. „Vom Stadtschloss aus ist Potsdam komponiert worden“, sagte der Regierungschef. Michael Schöne, Vorsitzender des Potsdamer Fördervereins für den Bau des Schlosses, sprach von einem „Durchbruch“. Dank Plattners Spende könne der Landtag „nach außen, aber auch zum Innenhof hin mit der historischen Fassade versehen werden“.

Wie berichtet, soll der Landtag nach dem Vorbild des Stadtschlosses bis 2011 für 85 Millionen Euro auf dem Alten Markt errichtet werden. Die Fassade, so sahen es die Beschlüsse von Landtag und Stadtverordnetenversammlung vor, sollte sich weitgehend am Knobelsdorff- Vorbild orientieren. Von den Entwürfen, die die sechs Konsortien vor einigen Wochen eingereicht hatten, sah jedoch keiner die Knobelsdorff-Fassade „eins zu eins“ vor, wie Finanzminister Rainer Speer (SPD) gestern erstmals bestätigte. Entsprechende Hinweise hatten sich in den letzten Wochen verdichtet – und Befürchtungen vor einer neuen Bausünde in Potsdam wachsen lassen. Die Schlossfassade sei mit dem bisherigen 85-Millionenetat nicht zu realisieren gewesen, sagte Speer. Nachdem nun mit Plattners Spende die Zusatzkosten aufgebracht würden, sieht der Fahrplan des Finanzministers für das Vergabeverfahren so aus: Am heutigen Mittwoch sollen die sechs Entwürfe wie geplant der aus namhaften Architekten bestehenden Fachjury präsentiert werden, die sich auf eine Rangfolge verständigt. Die Konsortien sollen dann die Entwürfe in den nächsten Monaten so nachbessern, dass vor dem funktional modernen Landtag so viel wie möglich historischer Fassade entsteht. Mit einem Zuschlag rechnet Speer „in einem halben Jahr“. Der Landtag könne nun „mit dem Niveau des Braunschweiger Schlosses“, das jüngst wiederaufgebaut wurde, errichtet werden.

Speer betonte, dass für „alle Konsortien“ die gleichen Chancen gesichert werden sollen, um Klagen zu vermeiden. Die Fertigstellung für 2011 sei nicht in Gefahr.“ Damit könne, sagte Plattner zufrieden, „das Potsdamer Stadtschloss sogar vor dem Berliner Schloss fertig sein“.

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