Kriminalität : Rechstextreme Übergriffe rückläufig

Die Zahl rechtsextremistischer Übergriffe ist nach Angaben der Opferperspektive Brandenburg zurückgegangen. Auch andere Gewalt- und Diebstahlsdelikte nahmen laut Innenminister Jörg Schönbohm ab.

Potsdam - Im vergangenen Jahr seien 125 rechtsmotivierte Angriffe registriert worden, das seien 15 weniger als 2005, teilte der Verein Opferperspektive Brandenburg mit. Die Taten richteten sich nach Kenntnis der Beratungsstelle gegen mindestens 165 Menschen. In knapp 90 Prozent der Fälle handle es sich um Körperverletzungen. Daneben habe es auch fünf Sachbeschädigungen und eine Brandstiftung gegeben.

Allerdings gebe es keine Anzeichen für eine "grundsätzliche Entspannung", heißt es weiter. Zwischen 2002 und 2006 habe sich die Zahl der jährlich erfassten Gewalttaten zwischen 117 (2003) und 140 (2005) auf hohem Niveau bewegt, ohne dass ein klarer Trend erkennbar sei. Zudem habe 2006 die Gewalt gegen Andersdenkende zugenommen. In 43 der 125 Fälle war den Angaben zufolge "Rassismus" der Grund für die Angriffe. In 41 Fällen richtete sich die Gewalt gegen Personen aus dem linksalternativen Milieu.

Ein klarer Trend ist nicht erkennbar

Die meisten Fälle wurden den Angaben zufolge in Potsdam, dem Landkreis Dahme-Spreewald (je 14), Frankfurt (12) und Teltow-Fläming (10) registriert. Die Mitarbeiter der Opferperspektive unterstützten im vergangenen Jahr mehr als 250 Menschen. Darunter seien neben Opfern rechtsmotivierter Gewalttaten auch Zeugen, Angehörige und Freunde der Geschädigten gewesen.

Auch andere Gewaltdelikten nahmen 2006 gegenüber dem Vorjahr leicht ab. Insgesamt habe die Polizei einen Rückgang der Straftaten um 2,2 Prozent auf 222.783 Fälle verzeichnet, teilte Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) mit. Die Gewaltkriminalität sei um 4,2 Prozent auf 5374 Delikte, die Zahl der Diebstähle um 9,4 Prozent auf 90.418 gesunken. Allerdings stieg den Angaben zufolge die Zahl der Tötungsdelikte von 87 auf 98. Zudem seien mehr Fälle von Wirtschaftskriminalität (+ 18,6 Prozent), Betrug (+ zehn Prozent) und Sachbeschädigung (+ 8,7 Prozent) verzeichnet worden.

Die Aufklärungsquote lag den Angaben zufolge mit 58,6 Prozent etwa auf Vorjahresniveau. Mit diesem Wert gehöre Brandenburg zur Spitzengruppe unter den Bundesländern, sagte Schönbohm. Die Polizei ermittelte 84.967 Tatverdächtige, das sind rund 1000 weniger als ein Jahr zuvor. Erfreulich sei die rückläufige Zahl junger Straftäter.

Der Anteil junger Straftäter ging zurück

Die unter 21-Jährigen machten einen Anteil von 28,3 aller Tatverdächtigen aus, 2005 waren es noch 29,4 Prozent gewesen. Die Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen sei aber immer noch zu hoch. Der Anteil junger Straftäter an der Gewaltkriminalität liege bei 46,1 Prozent.

Schönbohm versicherte, alles zu tun, um die Leistungskraft der Polizei trotz des Personalabbaus zu erhalten. "Einen Sicherheitsverlust wird es nicht geben", sagte er. Auch nach den bis 2013 vorgesehenen Personalreduzierungen werde Brandenburg mit 335 Polizisten pro 100.000 Einwohner einen Platz im Vorderfeld der Flächenländer einnehmen. (tso/ddp)

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