Contemporary Fine Arts : Daniel Richter mit neuen Bildern in der Galerie

Von der großen Behauptung ins kleine Format: Daniel Richter hat seine Motive schrumpfen lassen. In der Galerie Contemporary Fine Arts zeigt der Maler nun eisige Landschaften, nächtliche Veduten oder Bergpanoramen, die problemlos über jedes Sofa passen. Wenn man ein Freund morbider Szenerien ist.

Christiane Meixner
288447_0_99a3aac4.jpg
Anbetung. 'The Man' von Daniel Richter (2009). Foto: Jochen Littkemann /CFA Berlin



Die Idylle nämlich kehrt auch in den handlichen Rahmen nicht ein. Stattdessen gibt es für die kleinen, oft surrealen Figuren unter Grenztürmen, in schwarzen Wassern und auf unwegsamen Pfaden viel zu tun: Sie müssen Tote oder Gitarren schleppen, durch Schneewehen tanzen oder in einem Bild namens „Erinnerungen“ auf einen Wehrlosen einprügeln. Das Gemälde von 2009 fällt nicht bloß deshalb auf, weil es von der Brutalität des einen und der Ohnmacht des anderen spricht. Sondern auch, weil Richter hier auf das giftige Leuchten seiner Farben und jenes diffundierende Erzählen verzichtet, das sonst charakteristisch ist. Übrig bleiben seltsam geklärte Sujets – die „Grenze“ oder der „Mann im Gipfel“, der wie eine Figur der Romantik im Sonnenlicht erstrahlt. Wären da nicht der Turban, ein langer Bart, ein Gewehr. Sofort bricht das Bild, und aus dem einsamen Sinnsucher wird ein spähender Taliban.

Da ist er doch, jener eigenartige Wechsel der Bedeutung, der Richters Arbeiten (28 000–45 000 €) stets unfassbar macht. Einen Ansatz zum Verständnis liefert der Künstler diesmal jedoch selbst: Er hat in beide Räume der Galerie imposante Mineralien gestellt, die selbst schon wie Skulpturen wirken. Aus einem unauffälligen Mantel aus Stein funkeln lila Amethysten. Wie eine Tischplatte liegt ein hochpoliertes Sediment daneben, das die Urgeschichte der Erde vor Jahrmillionen lesbar macht. Die meisten Stücke übertrumpfen die Gemälde an Größe und fügen sich dennoch ein – weil an ihnen etwas sichtbar wird. Sie stammen von demselben Mineralienhändler, bei dem auch Richter einst in Hamburg gearbeitet hat, um seine Malerei zu finanzieren. Wer sich die brüchigen Oberflächen mit ihrem matten Glanz anschaut und dazu die Zufallskompositionen der Sedimente, der kann ahnen, durch welche Schule Richters Blick gegangen ist. Die Wirklichkeit hat hier kein eindeutiges Gesicht, sondern zersplittert in tausend farbige Fragmente. Wichtig ist nur die Perspektive, aus der man sie betrachtet. Christiane Meixner

Contemporary Fine Arts (CFA), Am Kupfergraben 10; bis 1.8., Di-Fr 11-18 Uhr, Sa 11-16 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar