Fotografie : Harte Jungs

Camera Work zeigt Porträts von Mark Laita. In seiner Ausstellung zeigt er Porträts in Doppelserien der gegensätzlichen Status einzelner Personen.

Hans-Jörg Rother

Die einen und die anderen, das ist das große Thema von Mark Laita. Wo sonst als in Amerika liegen die Gegensätze so dicht beieinander: die Erfolgreichen und die Gescheiterten, die Glücklichen und die Verdammten. Doch der in Detroit und Chicago aufgewachsene Fotograf hat ein viel feineres Raster angelegt, wenn er seine Porträts zu einer Doppelserie einander wildfremder Menschen zusammenfügt. „Created Equal“ nennt er seinen Fotoessay, der in sieben Jahren entstand und den Camera Work nun zum ersten Mal in Europa präsentiert.

Neben seiner Kamera hatte Laita eine Pappwand dabei, die den immer gleichen neutralen Hintergrund der schwarzweißen Aufnahmen abgab. Meist fällt von rechts etwas Licht auf die frontal, in Ausnahmefällen auch halb seitlich zur Kamera stehenden und ins Objektiv schauenden Personen. Allein dieser betont altmodische Stil hebt die in unterschiedlichem Format ausgeführte Serie (Preise zwischen 2900 und 18.700 Euro je Doppelporträt) vom Gros der bunten Allerweltsbilder ab, die auch auf dem Kunstmarkt für schnellen Eindruck sorgen. In gestraffter Haltung warten die Männer und Frauen im Halbdunkel das Ende der Fotositzung ab. Die moralisch Besseren, stets links zu finden, wirken etwas lockerer und sind manchmal sogar zu einem Lächeln bereit, während „die Bösen“ auf der rechten Seite Misstrauen demonstrieren.

Laita, ein Moralist mit der Kamera

Sie mögen ja, wie es der Titel verheißt, gleich geschaffen und von der amerikanischen Verfassung ausdrücklich gleichgestellt sein, doch Herkunft, Veranlagung und viele Zufälle haben die Biografien ungleich geformt: die katholischen Ordensschwestern und die Prostituierten, die Ballerina und den Boxer, den Sheriff und den Banditen. Ein Meisterstück in diesem Charakterbogen gelang Laita mit der Gegenüberstellung einer Ehegemeinschaft aus drei Frauen und einem Mann mit der Vierergruppe eines kalt blickenden Zuhälters und seiner sich an ihn schmiegenden „Angestellten“.

Man muss mehrmals durch die Ausstellung gehen, um die Details und den versteckten Humor zu bemerken. Der erste Gesamteindruck ist der einer gewalttätigen Gesellschaft, von der Laita, ein Moralist mit der Kamera, hier einige Randgruppen ins Auge fasst. Weit davon entfernt, etwa im Stil August Sanders auch den erfolgsgierigen Mittelstand, die Welt der Millionäre und die im Elend Lebenden darzustellen, entdeckt er im Energiepotenzial der sozialen Randzonen eine gewiss harte, aber vitale Individualität: verrucht und auf Liebe versessen.

Camera Work, Kantstr. 149, bis 23. Juni, Dienstag bis Samstag, 11–18 Uhr.

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