Jack Sal : Mit wachem Blick

Der Amerikaner Jack Sal zu Gast in der Galerie Markus Winter. Häufig braucht es den berühmten zweiten Blick, um das Wesen seiner Kunst zu entschlüsseln.

Daniel Völzke

„Ziel des Künstlers ist es, Kunst zu produzieren, die Zusammenhänge herstellt“, hat der Amerikaner Jack Sal seine Aufgabe einmal wohlklingend programmatisch und doch maximal bedeutungsoffen umrissen. Die Moderne ist diesem Wunsch längst gefolgt und hat den scheinbar leeren White Cube erfunden, der doch voller Licht, Kunstgeschichte und einer bestimmten Vorstellung von Kunst ist. Sals Arbeit „White/Block/Box“ in der Galerie Markus Winter macht sich dies zum Thema.

Ein flacher Steg führt durch den Raum, ihm zur Seite steht ein mit Leim übergossener Gipsquader. Die Spritzspuren wirken neben dem erhabenen Minimalismus der Räume wie Besudelung. Der von der Arte povera beeinflusste Sal hat immer wieder raumbezogene Reflexionen mit einfachen Materialien in Szene gesetzt. Häufig braucht es den berühmten zweiten Blick, um das Wesen seiner Kunst zu entschlüsseln. Auch diese Installation verbirgt ihre Korrespondenz mit dem Raum. Erst wenn der Besucher den Blick hebt, erkennt er, dass die Fläche der Holzplattform exakt mit der des Oberlichts der Galerie übereinstimmt. Größe und Form des Monoliths wiederum entsprechen in maßstabsgerechter Verkleinerung dem Raum zwischen Oberlicht und Plattform. Der Leim ergießt sich über den Block wie das einfallende Licht in den Raum. Zusammenhang hergestellt, Ziel erreicht.

Galerie Markus Winter, Chausseestraße 104; bis 1.9. Mi-Sbd 14-18 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben