Autobiografie : Ein Land, zwei Welten

Vor 20 Jahren fiel nicht nur die Mauer, es begann auch das Ende des Apartheidsregimes in Südafrika. Comiczeichnerin Elke R. Steiner empfiehlt ein außergewöhnliches, persönliches Buch zum Thema

Elke R. Steiner
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Schwarz-weißer Alltag. Eine Szene an einem Strand, der nur für Weiße zugänglich ist.Illustration: Karlien de Villiers

In "Meine Mutter war eine schöne Frau" erzählt Karlien de Villiers von ihrer Kindheit im Südafrika gegen Ende des Apartheidregimes. Rahmenhandlung ist ihre Rückkehr nach längerem Auslandsaufenthalt im Jahr 2000. Alte familiäre Konflikte flammen neu auf, aber das Land ist verändert. "Ich fühle mich so weiß", empfindet sie auf dem Weg durch Kapstadt.

Die Erlebnisse des Kindes wirken authentisch, es hat Schwierigkeiten, die Ereignisse einzuordnen. Die Erwachsenen sind teils liebevoll, oft aber selbst verwirrt und daher nicht immer eine Hilfe. Als Leserin behalte ich den Überblick durch chronologisch zugeordnete Kapiteleinteilungen, z.B. "Apartheid, das Leben in der Vorstadt und der erste Fernseher 1975 - 1981" oder "Unruhen, der Rubikon wird überschritten und Rodney Seale 1985 - 1986"

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Neue Weltordnung. Nach und nach wird die Rassentrennung aufgehoben.Illustration: Karlien de Villiers

Die Familiengeschichte steht im Mittelpunkt, die Scheidung der Eltern, das Sterben der Mutter, die Abschiebung der Schwestern ins Internat. Gewalt gibt es auf der Straße, in den Medien, in der Schule und in der Familie. Die internationalen Sanktionen greifen, das Geld der Familie wird knapp und die Küche karg. Der Fernseher kommentiert die Veränderungen und die Eltern fluchen. Eine erste Busfahrt mit Kindern unterschiedlicher Hautfarben wirft eigene Fragen auf.

De Villiers scheint auf "Schönheitsreparaturen" ihrer Geschichte verzichtet zu haben, sie gibt ihre kleine Ich-Erzählerin nicht klüger aus, als das damalige Kind gewesen sein mag. Dazu passt gut der etwas zögerliche, klare, flächig kolorierte Zeichenstil.

"Meine Mutter war eine schöne Frau" ist eine unverblümte Schilderung persönlicher Erinnerungen. Das finde ich glaubwürdig, davor habe ich Respekt, und vor allem bietet es ein intensives Leseerlebnis. 

Karlien de Villiers: Meine Mutter war eine schöne Frau. 64 Seiten, farbig, Hardcover, 24 Euro, bei Arrache Coeur / Edition Moderne


Unsere Autorin Elke R. Steiner lebt in Berlin und hat u.a. die Familiengeschichte "Die anderen Mendelssohns" (Reprodukt) sowie die Kinderbücher "Bella´s Brazilian Football" und "Bella´s Chocolate Surprise" (Milet Publishing) gezeichnet. Ihre Website:
www.steinercomix.de

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