Buchmarkt : Alte Meister, neuer Stil

Comics dringen in die Literaturverlage vor, das zeigt sich in dieser Woche auch auf der Frankfurter Buchmesse. Ganz ohne Risiken ist der aktuelle Trend allerdings nicht.

Sandra Trauner
Original und Adaption: Im November veröffentlicht Suhrkamp Thomas Bernhards Komödie als Comic.
Original und Adaption: Im November veröffentlicht Suhrkamp Thomas Bernhards Komödie als Comic.Foto: Suhrkamp

Es ist so etwas wie der Ritterschlag für ein Genre, das früher nicht so ganz ernst genommen wurde: Der Suhrkamp Verlag veröffentlicht in diesem November seinen ersten Comic. Gut, man nennt es jetzt Graphic Novel und außerdem handelt es sich um die Adaption eines literarischen Klassikers - Thomas Bernhards „Alte Meister“, neu interpretiert und gezeichnet von Nicolas Mahler. Aber dennoch zeigt sich daran, dass die Hüter des geschriebene Wortes nicht mehr auf gezeichnete Bilder herabblicken. Das zeigt sich in dieser Woche auch auf der Frankfurter Buchmesse.

Auch im Programm anderer Belletristik-Verlage finden sich Graphic Novels über Themen, die von „Micky Maus“ weit entfernt sind: Bei Knaus gibt es ein Comic-Porträt des Philosophen Friedrich Nietzsche - zur Tagesspiegel-Rezension geht es unter diesem Link. Knesebeck hat Dantes „Göttliche Komödie“ auf 128 gezeichnete Seiten eingedampft - zur Rezension geht es hier. DVA hat einen historischen Krimi mit Inspektor Kajetan als Comic herausgebracht - Rezension hier. Eine gezeichnete Einführung in den Buddhismus findet sich bei Bastei Lübbe. Atrium hat einen „Logicomix“ im Angebot: Ein philosophischer Roman in Comicform „über Logik, Mathematik
und die größte aller Fragen: Was ist die Wahrheit?“ - eine Ausstellung mit Originalen aus dem Buch wird noch bis zum 14. Oktober in Berlin gezeigt, mehr dazu hier.

Das Publikum ist erwachsen geworden, der Comic auch

Wolfgang Strzyz, der das Comic-Zentrum der Buchmesse mitgestaltet, sieht mehrere Gründe für das steigende Interesse: Das Comic-Publikum ist älter geworden und es will „Comics von Erwachsenen für Erwachsene“. Zudem berichten die Feuilletons großer Zeitungen inzwischen häufiger über Graphic Novels, auf der Buchmesse wird das Thema als ernsthaft wahrgenommen. „Und es gibt einfach sehr viele gute Geschichten.“ Die „Süddeutsche Zeitung“ hat eine eigene Edition mit Graphic-Novel-Klassikern herausgebracht - mehr dazu hier. Zu den zehn Bänden gehören zum Beispiel die politischen Comics „Waltz with Bashir“ über den Libanonkrieg und „Persepolis“ über die islamische Revolution im Iran.

Comic mit Tiefgang: Art Spiegelmans Aufarbeitung seiner Erfahrungen nach dem 11. September 2001 ist kürzlich auf Deutsch als Buch erschienen - auf der Buchmesse wird es groß präsentiert.
Comic mit Tiefgang: Art Spiegelmans Aufarbeitung seiner Erfahrungen nach dem 11. September 2001 ist kürzlich auf Deutsch als Buch...Foto: Arne Dedert, dpa

Bislang waren Comics eher das Geschäft von kleinen spezialisierten Verlagen wie Carlsen, Edition Moderne oder Reprodukt. Für die Nischenanbieter sei die neue Konkurrenz durch die großen Verlagshäuser „durchaus heikel“, sagt Branchenkenner Strzyz. „So viele interessante Künstler gibt's dann ja auch nicht.“ Zudem seien Comics ein schwieriges Geschäftsfeld: „Die Auflagen sind sehr gering.“ Selbst Bestseller kämen selten über 5000 Exemplare. „Da stellt sich schon die Frage, ob die das dann nicht schnell wieder einstellen.“

Der Suhrkamp-Comic soll jedenfalls der Auftakt sein für eine ganze Reihe: Klassiker aus dem Verlagsprogramm - zum Beispiel von Hermann Hesse - oder rechtefreie ältere Titel - zum Beispiel von Herman Melville - sind als Graphic-Novel-Adaption in Planung. Zielgruppe seien sowohl Kenner dieser Klassiker als auch ein eher literaturfernes Comic-Publikum. „Vielleicht nimmt man ihnen mit den Graphic Novels die Schwellenangst“, sagt Sprecherin Tanja Postpischil. (dpa)

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