Comic-Erzählungen : Karl May in Afrika

David Bollers unter dem Titel „Bakuba“ gesammelte Geschichten zeugen von außerordentlichem grafischen Talent. Trotzdem sind sie eine enttäuschende Lektüre.

Thomas Greven
Schwarz-weißes Afrikabild. Zwei Seiten aus dem besprochenen Band.
Schwarz-weißes Afrikabild. Zwei Seiten aus dem besprochenen Band.Illustration: Boller

Der in Schwarz-Weiß gehaltene Afrika-Band des Schweizers David Boller, Absolvent der Joe Kubert School of Graphics und lange Jahre Zeichner für die großen Superhelden-Verlage, ist ein Beispiel für einen Gemeinplatz und für eine wichtige Erkenntnis des Comic-Schaffens.

Zum Letzteren zuerst: Zeichnerische Begabung allein reicht nicht aus, damit ein guter Comic gelingt. Nur selten überzeugen Bollers Geschichten und ihre Organisation; der Seitenaufbau wirkt einige Male überladen, und dass, obwohl vielfach die Ergebnisse eines außerordentlichen grafischen Talents zu genießen sind.

In der Geschichte „Aids Highway“, die von der Ausbreitung des Virus durch Lkw-Fahrer erzählt, erinnern die expressiven Zeichnungen an Hugo Pratt, im älteren „Bakuba“ gelingt die Kombination moderner Elemente mit afrikanischen Motiven. Und doch: so richtig  funktionieren die Geschichten nicht, sie packen den Leser nicht, anders als beispielsweise die Serie „Aya“, die von drei Freundinnen in der Elfenbeinküste der 1980er Jahre erzählt 

Exotische Kulisse. Cover des Sammelbandes.
Exotische Kulisse. Cover des Sammelbandes.

Warum? Nun, da war ja noch der Gemeinplatz: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Boller nähert sich seinen Sujets als wohlmeinender Außenstehender ohne eigene Erfahrungen,  was er selbst in ausführlichen Erläuterungen – die trotz ihres Informationsgehalts eher aufgesetzt wirken, etwa so, als wäre er sein eigener Fan – als „Karl-May-Effekt“ bezeichnet.

In den beiden Geschichten mit weißen Protagonisten ist Afrika vor allem exotische Kulisse und die adaptierten Legenden bzw. auf Mythen aufbauenden Geschichten sind eher Andeutungen und enttäuschen die Lesererwartungen an einen dramatischen und nachvollziehbaren Aufbau.

Das war schon das Problem, wenn man es als solches sehen will, von Will Eisners „Sundiata. A Legend of Africa“ von 2002, welches hier als Vorbild genannt wird, aber Eisner hatte immerhin 30 Seiten, um die Geschichte erzählerisch und grafisch auszubreiten.

David Boller: „Bakuba und andere afrikanische Geschichten“, Mogelsberg, Schweiz: Zampano/Virtual Graphics, 2010 , 72 Seiten, 10 Euro. Mehr Informationen und Lesproben unter diesem Link.

Unser Gastautor Dr. Thomas Greven ist Senior Research Fellow am Institut für Internationale Politik, Berlin, und Privatdozent am Kennedy-Institut der FU Berlin. Mehr Texte von ihm finden sich unter diesem Link.

 

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