Comicmarkt : Altpapier für Millionäre

Duell der Giganten: Für seltene Comics werden immer höhere Auktionspreise erzielt - in dieser Woche kämpfen Superman und Batman um den Spitzenplatz.

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Premiere. In diesem Heft hatte Superman 1938 seinen ersten Auftritt.

In der Fantasiewelt der Superheldencomics kämpfen sie Seite an Seite für das Gute. In der realen Welt der Ökonomie stehen Superman und Batman jedoch in knallharter Konkurrenz zueinander, ihre jeweiligen Heftserien buhlen auf dem Comicmarkt seit sieben Jahrzehnten um die Aufmerksamkeit und das Geld der Leser.

In dieser Woche erfährt das Duell der Giganten einen neuen Höhepunkt: Am Montag ersteigerte ein anonymer Sammler bei dem US- Händler Comic Connect eine sehr gut erhaltene Ausgabe des ersten Comicheftes mit der Figur Superman, „Action Comics“ # 1 aus dem Jahr 1938 – zum Rekordpreis von einer Million Dollar (mehr dazu unter diesem Link). Und an diesem Donnerstag soll die Versteigerung eines Heftchens enden, in dem die Figur Batman einst debütierte, „Detective Comics“ # 27. Auch für dieses Heft, das bei Heritage Auctions angeboten wird, erwarteten Fachleute ein Ergebnis von bis zu einer Million Dollar. Die beiden spektakulären Verkäufe sind der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die Comicfachleute schon seit einigen Jahren beobachten: Die alten Hefte haben sich vom Liebhaberobjekt zur Geldanlage entwickelt. „Für populäre und seltene Hefte wie diese bleiben die Preise auch in schwierigen Zeiten stabil“, weiß Micha Wießler, der in Berlin-Kreuzberg den Comicladen „Modern Graphics“ betreibt. „Diese Hefte sind eine sicherere Anlage als jedes Wertpapier“, bekräftigt Frank Wochatz, der in Berlin-Prenzlauer Berg das Geschäft „Comics + Graphics“ führt.

In Deutschland wären Traumpreise wie jetzt in den USA jedoch kaum denkbar. Immerhin: Fünfstellige Summen lassen sich auch hierzulande mit besonders seltenen und beliebten Heften erzielen. So werden das erste deutsche Superman-Heft und die erste deutsche Ausgabe der Zeitschrift Micky Maus in einschlägigen Katalogen wie www.comicguide.de mit Preisen um 12 000 Euro geführt – allerdings nur in perfektem Zustand. Da entscheidet ein Knick in einem alten Heft schon mal darüber, ob es etliche Tausende oder höchstens ein paar Hundert Euro wert ist.

Wieso einstige Groschenhefte heute astronomische Preise erzielen? Neben dem Aspekt der Geldanlage kommt ein emotionaler Faktor hinzu. Viele Sammler sind mit Comics aufgewachsen und halten als Erwachsene den Helden ihrer Jugend die Treue.

Ihrem ursprünglichen Zweck, der unterhaltsamen Lektüre, dienen die wertvollen Stücke in den seltensten Fällen. Um Wertminderung zu vermeiden, lassen US-Händler ihre Schätze mit der Zertifizierung in Kunststoffkisten einschweißen – sobald man sie öffnet, verfällt das Qualitätssiegel. Aber lesen will diese Hefte eh keiner mehr.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 25.2.2010)

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