Comicveranstaltungen in Berlin : Vielseitig wie das Leben

Emmanuel Guibert, Reinhard Kleist und Tobias O.Meißner sowie Florent Silloray: Diese Woche gibt es in Berlin gleich drei hochkarätige Abendveranstaltungen, bei denen Comic-Autoren über ihre Arbeit sprechen.

Für Klein und Groß: Auf Deutsch gibt es von "Ariol" bislang einen Band.
Für Klein und Groß: Auf Deutsch gibt es von "Ariol" bislang einen Band.Foto: Reprodukt

Wie schafft er das nur? Der Franzose Emmanuel Guibert interessiert sich für äußerst unterschiedliche Themen und experimentiert mit Zeichenstilen wie nur wenige andere Zeichner. Mit seiner Trilogie „Der Fotograf“ und den als Comic adaptierten Lebenserinnerungen des US-Amerikaners Alan Cope („Alans Krieg“ sowie, bislang nur auf Französisch, „L’Enfance d’Alan“) hat er Maßstäbe für den dokumentarischen Comic gesetzt. Auf der anderen Seite schuf er zusammen mit den Zeichnern Marc Boutavant und Joan Sfar vor Fantasie und Lebensfreude strotzende Kindercomic-Serien wie „Ariol“ und die bislang noch nicht auf Deutsch vorliegenden Reihe „Sardine“, die sich auch bei Erwachsenen großer Beliebtheit erfreuen. Und das ist nur ein Ausschnitt aus einem umfangreichen Ouvre, über das Guibert an diesem Dienstag, dem 17. September, um 19 Uhr bei einer Veranstaltung im Institut français Berlin (Salle Boris Vian, 4. Stock, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin) sprechen wird. Im Gespräch mit diesem vielseitigen Autor will Tagesspiegel-Redakteur Lars von Törne herausfinden, wie Guibert sich für ein Thema entscheidet, wie diese unterschiedlichen Projekte sich vereinbaren lassen – und wie dabei Zeit übrig bleibt für das internationale Austauschprojekt, an dem der Autor gerade in Berlin teilnimmt. Der Eintritt ist frei, es gibt eine deutsch-französische Simultanübersetzung.

Fünf Jahre in deutscher Kriegsgefangenschaft

Familiengeschichte: Das Cover von Florent Sillorays Buch.
Familiengeschichte: Das Cover von Florent Sillorays Buch.Foto: Avant

Zwei Tage später ist ein anderer Franzose in der Stadt, der ebenfalls einen dokumentarischen Comic veröffentlicht hat. Florent Silloray hat in seinem soeben auf Deutsch erschienen Album „Auf den Spuren Rogers“ die Geschichte seines Großvaters verarbeitet, der während des Zweiten Weltkriegs fünf Jahre in deutscher Kriegsgefangenschaft verbrachte, davon die meiste Zeit im berüchtigten Stalag IV B in Mühlberg in der Nähe von Leipzig. Florent Silloray wird am Donnerstag, dem 19. September um 19 Uhr in der Berliner Buchhandlung Playing with Eels in der Urbanstraße 32 mit Tagesspiegel-Autor Thomas Hummitzsch über seine mehrere Jahre dauernde Recherche in Frankreich und Deutschland, das Genre der Comic-Reportagen und seine aktuellen Projekte sprechen. 

Die Vampire sind los

Überarbeitet und komplett: Das "Berlinoir"-Cover.
Überarbeitet und komplett: Das "Berlinoir"-Cover.Foto: Carlsen

Fantastischer, wenn auch mit einem Einschlag Realismus, geht es dann am Freitagabend zu, dem 20. September. Da präsentieren ab 20 Uhr der vielfach ausgezeichnete Zeichner Reinhard Kleist und der Fantasy-Autor Tobias O. Meißner in einer bebilderten Lesung im Kreuzberger Wirtshaus „Max und Moritz“ (Oranienstraße 162, 10969 Berlin) die soeben erschienene Gesamtauflage ihrer Berlin-Vampir-Trilogie „Berlinoir“. Für die Neuveröffentlichung haben sie ihre politisch aufgeladene Vampir-Endzeitgeschichte überarbeitet, die Zeichnungen ergänzt und teilweise neu koloriert sowie ein neues Lettering vorgenommen. Im Gespräch mit Christian Schlüter („Berliner Zeitung“) geben die beiden Künstler zudem Einblicke in die Zusammenarbeit und die Entstehung des Comics. Der Eintritt kostet drei Euro.

Mehr über die erwähnten Neuerscheinungen in Kürze auf den Tagesspiegel-Comicseiten. (lvt)

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