Der Tagesspiegel-Fragebogen (6) : 15 Fragen an - Calle Claus

In einer Sommerserie haben wir Comicschaffenden je 15 Fragen gestellt - zu ihrer Arbeit, zu ihren Vorbildern und zur Lage der Comic-Nation. Heute: der Hamburger Autor und Zeichner Calle Claus.

Illustration: Calle Claus
Illustration: Calle Claus

1. Was kommt bei Ihrer Arbeit zuerst: Worte oder Bilder?

Zumeist habe ich zuerst ein Bild im Kopf, das mich beschäftigt. Dann versuche ich, eine Geschichte darum zu spinnen.

2. Hören Sie beim Zeichnen Musik, und wie beeinflusst Sie das?

Beim Zeichnen und Kolorieren höre ich Musik, nicht zu schnelle und nicht zu traurige… für Schwung bei der Arbeit. Beim Scans-Säubern auch gerne mal ein Hörbuch.

3. Was essen und trinken Sie am liebsten bei der Arbeit?

Ich esse und trinke separat. Sonst kleckert man sich bloß Papier oder Tastatur voll.

4. Angenommen, Ihre Wohnung brennt: Welche Comics würden Sie auf jeden Fall aus Ihrem Regal retten?

Zur Zeit: „Cadavre exquis“ von Pénélope Bagieu… und natürlich den Karton mit meinen alten „Lustigen Taschenbüchern“!

5. Welche Zeichner/Autoren waren für Ihre eigene Entwicklung die prägendsten?

Infiziert wurde ich von Carl Barks und Uderzo. Später haben mich Joe Matt und Charles Burns dazu gebracht, das Comiczeichnen selber ernsthaft zu betreiben.

6. Welches Comic-Buch/Heft/Album würden Sie jemandem empfehlen, der sonst eigentlich keine Comics liest?

„Kratochvil“ von Nicolas Mahler.

7. Glauben Sie, dass dem Comic die Aufmerksamkeit zuteil wird, die er verdient?

Es könnte noch mehr werden!

8. Welche zeitgenössischen Comiczeichner/innen verdienten mehr Aufmerksamkeit als sie sie im Moment haben?

Oh, da gibt’s so viele… mal überlegen… Ich?

Cover von Calle Claus' neuestem Album "Schanzenbabes", erschienen bei Edition52. Illustration: Calle Claus
Cover von Calle Claus' neuestem Album "Schanzenbabes", erschienen bei Edition52.Illustration: Calle Claus

9. Wenn Sie einen hoch dotierten Preis für das Comic-Lebenswerk zu vergeben hätten, wer würde ihn bekommen?

Wittek aus Hamburg.

10. Wie würden Sie einem Blinden beschreiben, was das Besondere an Ihren Comics ist?

Die Formen meiner Figuren sehen so aus, wie sich ein Gummiball anfühlt, dem ca. ein Viertel seiner Luft entwichen ist.

11. Woran arbeiten Sie derzeit, wenn Sie nicht gerade Fragebogen ausfüllen?

1.) Der beginnenden Erziehung meines zweijährigen Sohnes Gustav
2.) Geld-Jobs
3.) Einer 150-seitigen Graphic Novel namens „White Line“

12. Wieso würden Sie einem jungen Menschen raten, Comiczeichner/-autor zu werden – und wieso würden Sie ihm davon abraten?

Pro: Tollste Kunstform von allen!
Contra: Harte, meist einsame Arbeit. Verdienst meist Fehlanzeige.

13. Wie fühlt es sich für Sie an, Ihre Zeichnungen als gedruckte Bücher in der Hand zu halten?

Wie nach einer langen beschwerlichen Reise wieder zu Hause zu sein.

14. Welche Note hatten Sie im Kunstunterricht?

Zumeist eine Eins. Fast immer die einzige im Zeugnis.

15. Was können Sie überhaupt nicht zeichnen?

Autos – bäh!

Calle Claus wurde 1971 in Braunschweig geboren und studierte an der HAW Hamburg Illustration. Er hat insgesamt sieben Comic-Bücher in verschiedenen Verlagen veröffentlicht, darunter Jochen Enterprises, Reprodukt und Edition 52. Zuletzt erschien von ihm „Die Schanzen-Babes – Galão to go“ (Tagesspiegel-Rezension hier), eine Sammlung seiner Serie für das Stadtmagazin "Hamburg Pur". Hier geht es zur Homepage des Künstlers.Calle Claus lebt und arbeitet in Hamburg.

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