Horror-Crossover-Comic : Zombies, Ninjas, höhere Töchter

Lustloses Ideenspiel: Der Horror-Comic „Stolz und Vorurteil und Zombies” bedient sich bei klassischen Vorbildern, ist aber kaum mehr als die Summe seiner disparaten Teile.

Sven Jachmann
Von Untoten geplagt: Eine Doppelseite aus dem Buch.
Von Untoten geplagt: Eine Doppelseite aus dem Buch.Illustration: Panini

Zombies eignen sich vortrefflich als Chiffre sozialer und soziologischer Katastrophen. Und wenn man sich die gegenwärtigen Bildermaschinerien ansieht – von „The Walking Dead“ über George A. Romeros kontinuierliche Instandhaltung seiner eigenen Mythologien bis zu einer riesigen Phalanx an Direct-to-DVD-Produktionen, die seit Jahren die Lebenszeit attackieren -, dann ist diese Feststellung längst nicht mehr originell, sondern zentraler Inhalt der Werke.

Die einstige Rezeption wird sozusagen von den Werken stärker denn je affimiert und mitgedacht. Sobald sich Muster zu verfestigen drohen, kann Humor Abhilfe schaffen, aus dem einfachen Grund, weil die neu etablierten Gesetze neue Pointen schaffen. Im besten Falle ergänzen sie das Sujet. 2006 machte beispielweise Andrew Currie in seinem Film „Fido“ aus dem Zombie auf ziemlich garstige Weise den besseren Haussklaven und führte den faschistoiden Tonfall der Dystopien ins bürgerliche Wohnzimmer der 50er Jahre-Suburbs.

In den schlechten Fällen hingegen ist dient das ganze Projekt eben dazu, einem modischen Thema krampfhaft eine Facette anzudichten. Seth Grahame-Smith beispielsweise mochte Janes Austens 1813 erstmals veröffentlichten Entwicklungsroman „Stolz und Vorurteil” nicht gerne lesen. Also schrieb er ihn neu und garnierte den relativ identisch belassenen Handlungsverlauf mit Zombies. Weil der Erfolg nicht nur in den USA gigantisch war (eine Verfilmung ist derzeit in Produktion) und die Neustrukturierung bekannter Elemente berühmter Stoffe und Motive in sämtlichen Künsten der Moderne zwar gang und gäbe, im digitalen Zeitalter zumindest für Feuilletonisten jedoch etwas völlig anderes ist, nannte man diese Methode fortan Mashup.

Diese freie Literaturadaption wurde also nun als Comic adaptiert. Und wie für das Buch gilt auch im Fall von „Stolz und Vorurteil und Zombies”: der Mehrwert besteht allein in der Idee, die dadurch brillieren will, zwei denkbar disparate Elemente zusammenzuführen. Wenn Grahame-Smith sich bei der Austen-Lektüre langweilte, dann ist nun zumindest klar, dass Zombies dem Stoff auch nicht weiterhelfen.

Bestrapste Beine im Kampfgetümmel

Wer also auf Perversionen statt Standesdünkel des englischen Adels zählte, auf ein Inferno entfesselter Zombieheere, das die Frage nach den Gesellschafts- und Humanitätsbegriffen angesichts ihrer drohenden Auflösung neu verhandelt, sollte hier lieber Regress erwarten. Denn neben der Instruktion sozialer Kapitalsformen lernen die fünf Töchter der Familie Bennet eben aufgrund der Zombieplage die Kunst der Selbstverteidigung.

Letztlich sind sie nichts weiter als kämpfende Amazonen, über deren Ausbildung der Vater akribisch und rücksichtslos wacht. Alles weitere bleibt gleich, ist nun nur angereichert mit Insignien der Coolness, einem Oberflächenreiz, der bedächtig respektvoll-respektlos das Original mit der Gegenwart vereint, indem er sogar Ninjas einführt, bestrapste Beine im Kampfgetümmel entblößt und die fünf Töchter in die maschinelle Anmut todestriumphierender Samurais hüllt.

Klassisch: Das Covermotiv des Buches.
Klassisch: Das Covermotiv des Buches.Foto: Panini

Wege des Trashs werden dennoch tunlichst gemieden, die Autorität der Vorlage bleibt unangetastet. Stattdessen gleichen sich die Zeichnungen dem lustlosen Ideenspiel an. Schwarzweiß und mit fetten Konturen bewegen sich die Figuren vor den bloß skizzierten Hintergründen, deren Blässe und ständige Andeutungen den Fokus unmittelbar auf die dialogreichen Figurenkonflikte richten, damit aber auch unterstreichen, wie unwichtig das Zeitkolorit eigentlich ist.

Es geht eben nicht um eine Neuschöpfung oder um die Vereinigung zweier epochaler Lesarten im neu definierten Rahmen einer Gesellschaftsstudie, sondern um einen unangestrengten erzählerischen Gag, der sich selbst genügt und tatsächlich mal zum Buch resp. Comic gereift ist. Interesse an seiner Vorlage besitzt er allerdings nicht. Desinteresse jedoch war noch nie ein gutes Mittel gegen Langeweile.

Tony Lee (Text)/ Cliff Richards (Zeichnungen): Stolz und Vorurteil und Zombies. Aus dem amerikanischen Englisch von Sandra Kentopf. Panini-Verlag, 176 Seiten, 16, 95 Euro. Eine Lesprobe steht unter diesem Link.

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