„Jean-Paul Porneaux und das blutrote Vinyl“ : Mörderische Musik

Rummelplatz der Ideen: Comiczeichner Christian Zanotelli huldigt in seinem retrofuturistischen Genre-Mix „Jean-Paul Porneaux und das blutrote Vinyl“ dem Rock'n'Roll.

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Innovativ: Eine Seite aus dem besprochenen Band.
Innovativ: Eine Seite aus dem besprochenen Band.Foto: Gringo

Musik kann eine Waffe sein, man denke nur an historische Kriegstrommler, die Zwangs-Beschallung von Guantanamo-Häftlingen mit Heavy-Metal-Musik oder die Gitarre von Woody Guthrie, auf der der Slogan prangte: „This Machine Kills Fascists“. In diese Reihe passt die Retro-Science-Fiction-Comic-Klamotte „Jean-Paul Porneaux und das blutrote Vinyl“, in der es um eine Schallplatte mit tödlichem Potenzial geht. Sie ist das einzig verbliebene Dokument eines blutig verlaufenen Konzertes. Wegen der ihr zugeschriebenen Macht ist ein Kampf auf Leben und Tod um das verschollene Vinyl entbrannt.

Klingt durchgedreht? Willkommen in der Welt von Christian Zanotelli. Der nordrhein-westfälische Autor und Zeichner hat bereits in seinem ersten längeren Comic-Abenteuer „Jean-Paul Porneaux und der Appetit des Löwen“ einen musikalischen Mörder namens Citizen Noir auftreten lassen. Die Tonkunst spielte damals angesichts des Kampfes der titelgebenden Hauptfigur – eines versoffenen Ex-Walfängers – gegen eine Weltverschwörung eher eine Nebenrolle. Im neuen Band steht die Musik im Zentrum, worauf schon das einer Single-Schallplattenhülle ähnelnde Buchformat verweist.

Hier kriegen die Augen was auf die Ohren: Das im Single-Stil gestaltete Buchcover.
Hier kriegen die Augen was auf die Ohren: Das im Single-Stil gestaltete Buchcover.Foto: Gringo

Worum es in diesem aufwändig gezeichneten und collagierten Werk sonst noch geht, soll nicht verraten werden. Auch nicht, welche Rolle der Kunstfurzer und Geheimlogen-Anführer Frédéric Pujol und der obsessive Musiksammler und Wahrsager Mortini dabei spielen.

So überdreht die Story ist, so überladen ist das Buch mit visuellen Einfällen, von denen sich viele erst beim zweiten Lesen erschließen – wenn überhaupt. Die karikaturenhaft übertriebenen Figurenzeichnungen fügen sich gut in die verschachtelte Komposition und die innovative Panelgestaltung: Da werden Bildfolgen schon mal in Form von Messerklingen, zersprungenen Flaschen oder einem indianischen Federschmuck aufgefächert.

Fans von Rummelplatz- und Rock’n’Roll-Ästhetik, von Lovecraft, Steampunk, Superhelden-Persiflagen, blutigen Thrillern und rasanten Szenen- und Genre-Wechseln dürften ihren Spaß haben.

Christian Zanotelli: Jean-Paul Porneaux und das blutrote Vinyl, Gringo Comics, 84 Seiten, 12,90 Euro

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