Krimi-Comic-Fabel : Schnüffler mit Schnauze

Opulente Zeichnungen, eine Story wie ein Film Noir: Die Krimireihe „Blacksad“ zählt zum Besten, was der europäische Comic zu bieten hat. Der neue Band hält optisch das Niveau, erzählerisch ist er aber weniger komplex geraten.

von
Im Rausch von New Orleans: Eine Seite aus dem neuen Album.
Im Rausch von New Orleans: Eine Seite aus dem neuen Album.Illustration: Guarnido/Carlsen

Vielleicht sind Tiere doch die besseren Menschen. Zumindest eignen sie sich großartig für dramatische Effekte und Charakterdarstellungen, wie der jetzt erschienene vierte Band der fabelhaften Krimireihe „Blacksad“ vor Augen führt. Diesmal bringt Privatdetektiv John Blacksad - eine aufrecht gehende schwarze Katze - ein Auftrag nach New Orleans, wo er auf der Suche nach einem verschwundenen Jazzmusiker in eine Welt voller überbordender Lebensfreude und mörderischer Geheimnisse gerät.

Wie schon in den drei jeweils abgeschlossenen Vorgänger-Alben der Reihe stellen die Spanier Juan Díaz Canales (Szenario) und Juanjo Guarnido (Zeichnungen und Farben) auch diesmal ihrer Hauptfigur dutzende Tiercharaktere zur Seite. Dabei verkörpert jede Spezies mit ihre verbundene Charaktereigenschaften, ihre ausdrucksstarken Gesichter vermitteln glaubhaft expressive Gesichtsausdrücke, die bei gezeichneten Menschen nur wie eine Karikatur wirken würden: Eine graubärtige Ziege als abgehalfterter Musikproduzent mit dunkler Vergangenheit, ein die Lefzen bleckender Hund als genialer Jazzmusiker, der dem Heroin verfallen ist, ein Affe als Voodoo-Heilerin, ein Kamel als Drogendealer, ein Pferd als halbseidener Barkeeper, ein Nilpferd als zwielichtiger Ermittler - und mitten drin John Blacksad, der an Bogarts Marlowe-Interpretation erinnernde Detektiv mit den sieben Leben, den trotz aller Coolness eine traurige Aura umgibt.

Guarnidos von Hand getuschte, opulente Zeichnungen sind atmosphärisch dicht und von unverändert hohem Niveau, Canales’ mit filmischen Zitaten gespickte Erzählung, die erneut von Klassikern des Film Noir inspiriert ist, stellt eine unterhaltsame Lektüre dar. Dazu kommen diesmal vielfältige Anregungen aus der Jazzgeschichte – die durch New Orleans marschierenden Kapellen, rauschend inszenierte Straßenumzüge und die eine oder andere Bar, durch die sich Blacksad in Erledigung seines Auftrages prügelt, sind direkt den Fotografie des großartigen Jazz-Chronisten William Claxton entlehnt, die der in den 1960er Jahren in New Orleans gemacht hat.

Von Bogart inspiriert: Privatdetektiv John Blacksad auf dem Cover des neuen Albums der Reihe.
Von Bogart inspiriert: Privatdetektiv John Blacksad auf dem Cover des neuen Albums der Reihe.Foto: Carlsen

Der Plot ist bei diesem Band mit dem Titel „Die Stille der Hölle“ allerdings weniger komplex gehalten, als man es von der meisterhaften Reihe bislang gewohnt war. Statt vielschichtiger politischer und sozialkritischer Anspielungen aus der US-Geschichte wie in den Vorgängeralben ist die Erzählung geradliniger und handelt von Betrug, Korruption, Rache und Vergebung, ohne im Gegensatz zu den Vorgängern darüber hinaus noch eine weitere Botschaft vermitteln zu wollen.  

Juan Díaz Canales und Juanjo Guarnido: Blacksad – Die Stille der Hölle, Carlsen, 56 Seiten, 16 Euro, mehr zur Reihe unter diesem Link.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar