Manga-Manie : Japanische Leidenschaften

Seit seinem Amtsantritt hat Regierungschef Taro Aso nicht mehr genug Zeit für Comics, wie er klagt. Und einer seiner Landsleute will eine Mangafigur heiraten.

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Traumfrau. Mikuru Asahina.Illustration: Promo

Der japanische Regierungschef und Comic-Fan Taro Aso hat seit seinem Amtsantritt nicht mehr genug Zeit für sein langjähriges Hobby. „Es ist schwierig Comics zu lesen, denn meine Zeit ist jetzt begrenzt“, sagte Aso kürzlich vor hunderten von Zuhörern im Tokioter Viertel Akihabara, das für seine vielen Comic-Läden bekannt ist.

Er habe in der vergangenen Woche zwei Comic-Hefte gelesen, zwei weitere seien aus Zeitmangel aber liegen geblieben. Aso, der die typisch japanischen Comics, die sogenannten Mangas, auch bei Auslandsreisen im Gepäck hat, hatte sich in den vergangenen Jahren schon öfter als begeisterter Anhänger der japanischen Manga-Kultur präsentiert.
 

Taro Aso wird neuer Premier Japans
Vom Schicksal gebeutelt: Manga-Fan Taro Aso fehlt die Zeit für sein Hobby.Foto: dpa


Aso nutzte die Rede aber auch, um Comics als japanische Exportschlager zu rühmen. „Japans Zeichentrick-Subkultur wird in der ganzen Welt überwältigend angenommen“, sagte der Ministerpräsident. Japanische Comics seien nicht nur in Asien, sondern auch in Europa, Nord- und Südamerika weit verbreitet.

Große Liebe, bizarre Formen

Die Zuneigung zu Comics nimmt in Japan manchmal allerdings bizarre Formen an. So forderte kürzlich ein Japaner die Legalisierung von Ehen zwischen Manga-Wesen und Menschen, weil er eine Comicfigur heiraten will.

Zu diesem Zweck hat Taichi Takashita im Internet eine Unterschriftenaktion gestartet. Ziel sei es, eine Million Unterschriften zu sammeln, um bei der Regierung eine Petition zur Legalisierung von Ehen mit zweidimensionalen Figuren einzureichen, schreibt der Japaner auf seiner Petitionsseite im Internet. Innerhalb einer Woche hatte er 1226 Unterschriften gesammelt. „Wir interessieren uns nicht mehr für die dreidimensionale Welt“, erklärt Takashita. Sobald der Gesetzgeber es erlaube, wolle er das Comic-Mädchen Mikuru Asahina heiraten.

Die Manga-Figur posiert mit Bunny-Kostüm und langen Haaren im Internet und kommt in japanischen Comic-Geschichten als Wesen aus der Zukunft auf die Welt. Ursprünglich erschien das Mädchen als Heldin in einem Roman, bevor sie zur Comic-Figur wurde. Ihr menschlicher Verehrer Takashita fühlt sich in der zweidimensionalen Welt eher zu Hause als in der echten.

Wenn er könnte, würde er am liebsten selbst in die Welt der Comics einziehen, erklärt er. Doch da ein solcher Schritt nach derzeitigem technologischen Entwicklungsstand nicht möglich sei, fordere er zumindest die Legalisierung von Ehen mit zweidimensionalen Figuren. 

(AFP/dpa)

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