Neues aus Weißensee : Europas Alptraum

Im siebten Teil unserer Serie mit Arbeiten aus der Kunsthochschule Berlin-Weißensee spürt Juliane Pieper in ihrer Bildgeschichte der Faszination der Gewalt in einem humanistischen Klassiker nach

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Aus der Traum. Szene aus Juliane Piepers Bildgeschichte.© Juliane Pieper

So hat man die Sage von der Entführung Europas noch nicht gesehen: Als Drama um sexuellen Missbrauch, Ausbeutung und Prostitution. Also solches hat die Berliner Illustratorin Juliane Pieper den mythologischen Stoff jetzt neu interpretiert – die Bildgeschichte ist Teil ihrer Diplomarbeit an der Kunsthochschule Weißensee in Berlin.

„Die griechische Mythologie gehört zum Bildungskanon des modernen Humanisten. Aber in ihr tut sich – mit sprachlicher Eleganz vorgetragen – ein Blutbad auf: Macht, Sex, Spiel, unbedingtes Schicksal, Tod und Verderben“ – so erklärt Pieper den Ausgangspunkt ihrer Arbeit, die aus drei Buchbänden besteht, in denen sie drei Liebesaffären des Gottes Zeus illustriert und für jeden Band eine eigene visuelle Sprache entwickelt hat. Eine dieser Geschichten stellen wir jetzt auf den Online-Comicseiten des Tagesspiegels vor.

Sie handelt davon, so die knappe Zusammenfassung am Anfang der Geschichte, „wie Zeus die Königstochter Europa ausspioniert, überlistet und entführt, ihr für Gegenleistung "Schutz" anbietet, sie verlässt - und dennoch drei Kinder mit ihr zeugt“. Hinter der knappen Zusammenfassung entdeckt Juliane Pieper, die als Illustratorin und Grafikdesignerin für Zeitungen, Magazine, Verlage arbeitet, eine menschliche Tragödie von zeitloser Bedeutung: „Die Götter des klassischen Altertums sind ambivalent: Göttlich in ihrer Macht und Unsterblichkeit, aber menschlich in ihrem Zorn, ihren Begierden, auch in ihrem Mitleid“, sagt sie. „Die Verbindung zwischen Gewalt und Liebe ist letzten Endes gar nicht paradox, denn auch bei der Liebe und der Sexualität zeigt sich die Ambivalenz zwischen Lust und Zwang, Macht und Hingabe, Kälte und Empathie, Schönheit und Abschreckung, Spiel und Ernst.“

Hier geht es zu der Geschichte.

Mehr von Juliane Pieper, die ihren Wohnsitz von Berlin vorübergehend nach New York verlegt hat, findet man auf der Website der Künstlerin, ihre drei Zeus-Bände lassen sich sich als PDF auf der Website Electrocomics herunterladen. (lvt)

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