Politik im Comic : Grün war die Hoffnung

Die Graphic Novel „Zahra’s Paradise“, als Online-Comic gestartet und jetzt auch auf Deutsch als Buch veröffentlicht, erinnert an die Opfer des Iranischen Regimes.

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Marsch der Massen: Eine Doppelseite aus dem Buch.
Marsch der Massen: Eine Doppelseite aus dem Buch.Foto: Promo

Brutale Staatsgewalt, Folter und Korruption. Schonungslos beschreibt die Graphic Novel „Zahra’s Paradise“ die Niederschlagung der Grünen Revolution im Juni 2009 in Iran. Der ursprünglich als reines Online-Projekt entstandene Comic erscheint vor kurzem erstmals als deutsche Buchausgabe im Knesebeck Verlag.

Die beiden Künstler, die hinter Zahra’s Paradise stehen, können zu ihrer eigenen Sicherheit nicht ihre echten Namen veröffentlichen. Amir nennt sich der iranisch-amerikanische Menschenrechtsaktivist und Dokumentarfilmer. Sein Kollege Khalil ist Künstler und Illustrator. Neben dem Zeichnen von Cartoons und Comics, stellt er auch Kunstwerke aus Keramik her. Ihr Buch haben sie den 16 901 Menschen gewidmet, die in den vergangenen Jahren in den Gefängnissen des iranischen Regimes ermordet oder auf der Straße zu Tode geprügelt wurden.

Ein Buch gegen das Vergessen

In der fiktiven Geschichte über die Suche nach Mehdi, einem jungen Mann, der während einer Demonstration gegen die gefälschten Wahlen spurlos verschwindet, verarbeiten die Autoren ihre Eindrücke der iranischen Protestbewegung. Völlig verzweifelt machen sich Mehdis Bruder und seine Mutter auf die Suche nach dem verlorenen Sohn und Bruder. Dabei lernen sie die Skrupellosigkeit der Mullahs, der Geheimpolizei und der iranischen Bürokratie kennen. Aber sie schöpfen auch immer wieder Hoffnung, wenn sie Menschen treffen, die ihnen selbstlos ihre Hilfe bei der Suche anbieten.

Drastisch: Die Skrupellosigkeit der Mullahs und der Geheimpolizei wird schonungslos gezeigt.
Drastisch: Die Skrupellosigkeit der Mullahs und der Geheimpolizei wird schonungslos gezeigt.Foto: Promo

Eindrucksvoll gelingt es Khalil und Amir in der durchgehend schwarz-weiß illustrierten Geschichte, die Gedanken und Ängste der iranischen Bevölkerung mit realen Bildern aus Teheran zu verbinden. Ein Buch das auf 160 Seiten Hoffnung machen soll und gleichzeitig gegen das Vergessen ankämpft.

Zahra’s Paradise ist zudem gespickt mit interessanten Beobachtungen und Erklärungen zur Geschichte Irans. Der Name Zahra wurde nicht zufällig gewählt. Er bezieht sich auf die iranisch-kanadische Fotografin Zahra Kazemi. Sie begleitete im Jahr 2003 Angehörige von Verschwundenen, die genau wie Medhis Mutter, vor dem gefürchteten Gefängnis „Evin“ bei Teheran protestierten. Zahra’s Paradise ist gleichzeitig auch der Name eines großen Friedhofs vor der Stadt. Das Buch wird ergänzt durch ein detailliertes Glossar in dem geschichtliche und kulturelle Begriffe erklärt werden.

Einer von 16.901: Das Buchcover.
Einer von 16.901: Das Buchcover.Foto: Promo

Es folgt der Anhang  mit den Namen der 16 901 Toten. Wie die Autoren schreiben, haben sie „durch die gemeinsam erlittenen Qualen“ ein imaginäres Iran geschaffen, in dem sie weiterleben. „Ein demokratisches, pluralistisches und facettenreiches Gemeinwesen, in dem die Bewohner posthum ihre Menschenrechte genießen können.“

Der Blog aus dem das Buch entstanden ist, findet sich hier: www.zahrasparadise.com. Das Buch ist im Knesebeck-Verlag erschienen, hat 255 Seiten und kostet 19,95 Euro.

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