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Ralf König im Kino : „Mein New York hieß Dortmund“

06.02.2012 15:20 UhrVon Ralf König
Schwule Ikonen: Ralf König vor ausgewählten Werken.Bild vergrößern
Schwule Ikonen: Ralf König vor ausgewählten Werken. - Foto: dpa

Ralf König war 17, als er das Buch „Sex und Karriere“ von Rosa von Praunheim entdeckte, dem Mitbegründer der politischen Schwulen- und Lesbenbewegung. Jetzt kommt Praunheims Film über den Comiczeichner in die Kinos. Hier erklärt König, was ihm das bedeutet.

1977, ich war gerade 17 Jahre alt und heimlich schwul, entdeckte ich in einer Buchhandlung im westfälischen Soest ein Taschenbuch, das unverblümt „Sex und Karriere“ hieß und Drehbuchauszüge sowie intime Tagebucheintragungen eines gewissen Rosa von Praunheim enthielt. Bis dahin hatte ich weder von Praunheim gehört noch von einer schwulen Szene, da ich aber selbst ängstlich ungeoutet war und begierig, mehr zu erfahren von der wilden Welt da draussen, kaufte ich das Buch mit Herzklopfen.

Ich las von hemmungslosen Sex- und Liebesbegegnungen in der New Yorker Lederszene und studierte aufmerksam politische Pamphlete,- da standen revolutionäre Thesen und Forderungen langhaariger Homosexueller, und ich fühlte, dass mich das alles mehr anging, als mir lieb war.

Jetzt schließt sich der Kreis

Ich lebte auf dem Dorf zwischen Weißkohlfeldern und Kuhweiden, und ich wollte Teil dieser anderen, dunkel lockenden Welt werden! Mein New York hieß wenig später ganz profan Dortmund und die Schwulengruppe traf sich im dortigen Kommunikationszentrum Ruhr E.v.. Aber noch vor dem alles umwälzenden Damaskuserlebnis, das ich mit der ersten Schwulendemo „Homolulu“ 1979 in Frankfurt verbinde, war das Buch „Sex und Karriere“ des umstrittenen Filmemachers Rosa von Praunheim mein Manifest.

Unzensiert: Das Poster zum Film.Bild vergrößern
Unzensiert: Das Poster zum Film. - Foto: Promo

Jetzt, 2012, schließt sich der Kreis: Rosa hat einen Dokumentarfilm über mich gedreht, mit dem Fokus auf meine Anfänge in den 80er und 90er Jahren und auf das, was mir damals unverhofft gelungen ist, nämlich schwules Leben und schwulen Sex per Humor unter das noch wenig aufgeklärte Publikum zu bringen.

Seltsam, das eigene Leben in 80 Minuten Revue passieren zu lassen, und natürlich fehlt vieles im Detail und mancher aufregende Mann (was nicht  Rosas Versäumnis ist, er konnte ja nur das zeigen, was ich ihm zur Verfügung stellte). Aber ich denke, ihm ist ein authentisches Bild gelungen, unaufgeregt, reflektierend, aber durchaus die Hosen runter lassend konnte ich mit meinen 51 Jahren auf dieses und jenes zurückblicken: Kindheit, Pubertät, ungestümes Aufbegehren, peinliche Transenshows, Comics, Liebe, Leidenschaft... kurz: Sex und Karriere.

Der Film „König des Comics - Ralf König“ von Rosa von Praunheim startet bundesweit am 1. März in den Kinos. Auf der diese Woche beginnenden Berlinale hat er seine Uraufführung, dort wird er an folgenden Tagen gezeigt:10.02., 22:30 Uhr, CineStar 7; 15.02., 17:00 Uhr, Kino International (in Anwesenheit von Ralf König und Rosa von Praunheim); 16.02., 22:30 Uhr, CineStar 7; 18.02., 15:30 Uhr, Colosseum 1. Dieser Text stammt von Ralf Königs Website, wir danken für die freundliche Genehmigung zur Zweitveröffentlichung.

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