Sebastian Dietz' Lovecraft-Hommage "Yuggoth Rising" : Welt am Abgrund

In „Yuggoth Rising“ schreibt Comic-Zeichner Sebastian Dietz den Cthulhu-Mythos fort. Kenntnisreich, spannend und mit eigener Stimme.

Harte Kontraste, harte Worte. Dietz zeigt und spricht aus, was Lovecraft so nie zu Papier gebracht hätte.
Harte Kontraste, harte Worte. Dietz zeigt und spricht aus, was Lovecraft so nie zu Papier gebracht hätte.Foto: promo

USA, Guatemala, Polynesien, Belgien, Indien ... Die Zahl der Schauplätze von „Yuggoth Rising“ ist so groß wie die der Protagonisten: Da ist Madeleine Clark, die im Februar 1930 auf der Suche nach ihrer Mutter durch das von der Wirtschaftskrise geschlagene New York streift, da ist der Journalist McWright, der in Upstate New York eine obskure Werwolfgeschichte recherchiert, da ist der Anthropologie-Professor Wendricz, der eine mysteriöse Ruinenstadt untersuchen soll, und nicht zuletzt ist da der Kreis von mächtigen Männern, die sich in einer märchenhaften Traumwelt zu konspirativen Versammlungen treffen.

Der Künstler Sebastian Dietz, der hinter dem Pseudonym „Bestie“ steckt, meinte es offensichtlich ernst, als er seiner Comicerzählung den forschen Untertitel „ein episches Abenteuer in den Welten H. P. Lovecrafts“ gab.

Seit 2012 erscheint das auf neun Bände angelegte Projekt im Verlag Undergroundcomix. Fünf gibt es inzwischen, der sechste ist fertig und soll in wenigen Wochen veröffentlicht werden. Die vergriffenen ersten drei Kapitel wurden nun in einem Sammelband als „Erster Akt“ zusammengefasst.

Harte Kontraste, harte Bilder

In hart kontrastierten Schwarz-Weiß-Bildern entwirft Dietz darin eine Welt, die fest in Lovecrafts Cthulhu-Mythos verortet ist: Es gibt böse Bücher wie „Von unaussprechlichen Kulten“, jene Traumlande, die der wegweisende amerikanische Horrorautor in Geschichten wie „Der Silberschlüssel“ ausarbeitete, und auch versunkene Städte von Reptilienwesen, wie wir sie aus „Stadt ohne Namen“ kennen.

Trotzdem findet Dietz eine eigene Sprache, was nicht nur an der weiblichen Protagonistin liegt, sondern auch an den zum Teil drastischen Gewaltdarstellungen, was Lovecraft beides so niemals zu Papier gebracht hätte.

Dietz lässt sich Zeit

"Ich wollte nicht einfach eine seiner Geschichten eins zu eins übertragen", sagt Dietz über seinen Ansatz. "Das hätte ich wenig spannend gefunden." Sein Vorbild seien eher die weltumspannenden Kampagnen des auf Lovecrafts Werken basierenden Pen-und-Paper-Rollenspiels "Cthulhu" gewesen. Daher stamme auch die Idee, den einzelnen Kapiteln stets Faksimiles von Zeitungsartikeln, Aufsätzen oder Polizeiakten anzuhängen. Eine Methode, die Grenze zwischen Realität und Fiktion zu verwischen, die auch Alan Moore in seiner Lovecraft-Hommage "Providence" einsetzt.

Erzählerisch und optisch ist die Geschichte stark in der Ästhetik der Independent-Comics verhaftet, die erfrischend weit weg ist von der austauschbaren Perfektion der US-Superheldensagas und deren hochtourigem Erzählmodus. Dietz lässt sich Zeit. Nach hundert Seiten weiß man zwar langsam, wohin die Reise geht, wie die einzelnen Fäden zusammengehören aber bleibt offen und damit spannend.

Der "erste Akt" enthält die vergriffenen Kapitel eins bis drei. Band vier und fünf sind bereits erschienen.
Der "erste Akt" enthält die vergriffenen Kapitel eins bis drei. Band vier und fünf sind bereits erschienen.Foto: promo

Sebastian „Bestie“ Dietz: „Yuggoth Rising – Erster Akt“, Undergroundcomix, 106 Seiten, 13 Euro. Die bereits erschienenen Bände vier und fünf kosten jeweils 5 Euro (comic-base-berlin.de)

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