Superhelden : Dönneckens aus der Jugend

Batman-Fan Lutz Göllner sucht angesichts des Niedergangs der Comicreihe Zuflucht in der Vergangenheit - doch die bereitet ihm in Gestalt des wiedergekehrten Comic-Veteranen Neal Adams auch nur Gram.

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Matschige Farben, nichts zu erzählen. Eine Seite aus Neal Adams aktueller Batman-Serie.
Matschige Farben, nichts zu erzählen. Eine Seite aus Neal Adams aktueller Batman-Serie.Foto: DC

Wohl kein anderer klassischer Superheld ist in den vergangenen Monaten so schlecht behandelt worden wie Batman. Die Hauptserie liegt inzwischen in den Händen von Tony Daniel, einem Zeichner, dem man niemals hätte erlauben dürfen, seine eigenen Geschichten zu schreiben. Daniels bekannteste Arbeit vor Batman war seine Eigenkreation „The Tenth“, eine Serie, die von einer einzigen Idee lebte: Den beiden weiblichen Hauptfiguren wurde in jedem Heft die Kleidung an strategisch interessanten Stellen zerrissen. Die verschiedenen Batman-Serien, für die das Windei Grant Morrison verantwortlich ist, sind immer unleserlicher geworden. Da sucht ein alter Fan Zuflucht in der Vergangenheit. Zumal DC gerade die zwölfteilige Miniserie „Batman: Odyssey“ am Start hat, die von Zeichnerlegende Neal Adams geschrieben und gezeichnet wird - nach 34 Jahren Pause. 

Wie ein schwuler italienischer Opernsänger mit Brusttoupet

Ende der 60er Jahre trat der revolutionäre Zeichner Neal Adams auf den Plan der amerikanischen Superheldencomics und erneuerte das Subgenre fast im Alleingang. Fast, denn wie sehr Adams von seinem Autoren, dem Ex-Journalisten Denny O’Neil abhängig war, das merkt man jetzt.

Thematisierten die „Batman“- und „Green Lantern“-Geschichten der beiden damals Rassismus, Umweltverschmutzung, Bigotterie und Überbevölkerung, so dreht sich jetzt die Handlung von Adams selbst geschriebener und lange erwarteter Rückkehr zum Dunklen Ritter um – Nichts! Ein Bruce Wayne, der wie ein schwuler italienischer Opernsänger mit Brusttoupet aussieht, erzählt Dönneckens aus seiner Jugend. Und dann diese matschigen Farben. 

Gut, die kennt man aus den teilweise grausam neu kolorierten vier Sammelbänden mit den alten Storys, die der Verlag DC seinem Starzeichner zwischen 2003 und 2008 gegönnt hat. Hier fiel die Computerkolorierung besonders auf, verdeckte sie doch viele der filigranen Linien und zeichnerischen Feinheiten, für die Adams bekannt geworden ist.

Comeback nach 34 Jahren: Cover des ersten Hefts der Neal-Adams-Reihe.
Comeback nach 34 Jahren: Cover des ersten Hefts der Neal-Adams-Reihe.Foto: DC

Vor Neil Adams gab es wohl keinen Comiczeichner, der die menschliche Anatomie so genau darstellte - hier ließ er sich von Leonardo da Vinci inspirieren. Auf der anderen Seite waren Adams Seitenlayouts und Perspektiven modern und revolutionär. Allerdings war Adams auch damals schon ein langsamer Zeichner, der seine Bleistiftarbeiten gerne von Nachwuchszeichnern tuschen ließ, einfach um Zeit zu sparen und den Output zu erhöhen. 

Als würde der alte Meister sich selber parodieren

„Odyssey“ nun sollte wohl ursprünglich Teil von Frank Millers „All-Star Batman“ werden. Da diese Serie jedoch auf Eis liegt, hat Adams selber die Initiative ergriffen und fungiert als sein eigener Autor. Und dabei fällt auf, wie wenig der Ausnahmekünstler Adams seinem eigenen Medium vertraut. Nicht nur, dass seine Seiten von oben bis unten mit Details zugekleistert sind, dazwischen werden auch noch viel zu viele Dialog- und Denkblasen gepappt. Jede Kleinigkeit muss extra erklärt werden, was den Lesefluss der ohnehin wirren Geschichte noch mal verlangsamt. 

Und es wird nicht besser. Bisher sind vier Hefte erschienen, ein durchgehender Plot ist immer noch nicht zu erkennen (oder ich bin schlicht zu doof dafür), manchmal wirkt der alte Meister Adams, als würde er sich selber parodieren. Aber Parodien sollten doch eigentlich lustig sein...             

Batman: Odyssey. Text und Zeichnungen: Neal Adams. DC, New York 2010. Bisher sind vier von zwölf Heften erschienen. Je 30 Seiten, je rund 4 Euro.Mehr über die Serie und eine Leseprobe gibt es auf der DC-Homepage.

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