„Vita Obscura“ von Simon Schwartz : Wunderkammer des Lebens

In seinen jetzt als Buch versammelten Zeitungscomics schöpft der Hamburger Zeichner Simon Schwartz die erzählerischen Mittel des Comics auf furiose Weise aus.

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Vergessene Propheten: Eine Seite aus dem Buch.
Vergessene Propheten: Eine Seite aus dem Buch.Foto: Avant

Der Kaiser von Amerika, der obdachlose Starkomponist Moon Dog oder der Mann, der Einsteins Gehirn klaute - das sind nur drei der historischen Figuren, deren absonderliche Biografien Simon Schwartz erzählt und die kürzlich als Sammelband erschienen sind.

Die einseitigen Episoden waren ursprünglich als Serie in der Wochenzeitung „Der Freitag“ erschienen, die Schwartz für seine Geschichten reichlich Platz und Freiheit einräumte. Wie sehr sich das lohnen kann, wenn diese dann auch ausgeschöpft werden, dafür ist „Vita Obscura“ ein furioses Beispiel.

Jede einzelne Seite ist inhaltlich faszinierend und gestalterisch ein Schatz: Die aus entlegenen Winkeln hervorrecherchierten und gut erzählten Storys sind auch visuell aufs Vielseitigste und Erfinderischste umgesetzt. Das It-Girl des frühen 19. Jahrhunderts ist als Anziehpuppe zwischen den von ihr inspirierten Gemälden gestaltet; die Geschichte eines Flugzeugentführers sieht aus wie die Sicherheitshinweise in Airlines; die Seite zum Erfinder Karl Hans Janke gibt es gar in 3D mit Anleitung zum Brillenbasteln.

Auch beim Layout hat Simon Schwartz sich viel einfallen lassen, sei es die seekrank machende Schieflage bei der dreifach schiffbrüchigen Krankenschwester oder die gitarrenförmig angeordneten Panels in der Geschichte um den Teufelsgitarristen Robert Lee Johnson. Schwer, nicht jeden einzelnen Beitrag ausführlich beschreiben zu wollen, denn gerade die unglaubliche Fülle ist hier das Besondere.

Ein außergewöhnlicher Band, eingängig und begeisternd, spaßig und Ernst zu nehmen gleichermaßen - von den Samurais mit Durchhaltevermögen über erfinderische Hollywood-Diven und berühmte Kunstfurzern bis zu vergessenen Propheten.

Simon Schwartz: Vita Obscura, Avant, 72 Seiten, 19,95 Euro. Leseprobe auf der Website des Verlages.

Kuriositätenkabinett: Das Buchcover.
Kuriositätenkabinett: Das Buchcover.Foto: Avant

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