Webcomic „Hinter Türen“ : Der Gewalt auf der Spur

In ihrem Webcomic „Hinter Türen“ verhandeln Isabel Kreitz und Stefan Dinter das Thema Gewalt gegen Frauen. Jetzt ist das letzte Kapitel erschienen.

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Allein unter Männern. Eine Szene aus "Hinter Türen".
Allein unter Männern. Eine Szene aus "Hinter Türen".Foto: Promo

Sie heißt Anna Wegener, ist Volontärin bei einer Lokalzeitung – und stolpert gleich am ersten Arbeitstag über eine Geschichte, die es in sich hat. Es geht um Gewalt gegen Frauen, Chauvinismus, aber auch um Möglichkeiten, dem etwas entgegenzusetzen.

In Zusammenarbeit mit dem Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ haben die bekannten deutschen Comic-Künstler Isabel Kreitz („Rohrkrepierer“) und Stefan Dinter („Die Toten“) den kostenlosen Webcomic „Hinter Türen“ entwickelt, der darauf aufmerksam machen soll, wie falsch mit Gewalt und Sexismus gegenüber Frauen umgegangen wird, und dass es professionelle Hilfe gibt.

Ihre Heldin entdeckt am ersten Tag ihrer Journalistenausbildung einen vergessenen Leserbrief. Dessen Absender ist eine Frau Berger, die von ihrem jähzornigen, gewalttätigen Mann berichtet und um Rat bittet. Anna beschließt, das nie abgeschickte Antwortschreiben eines entlassenen Redakteurs persönlich vorbeizubringen. Vor Ort erfährt sie, dass Frau Berger kürzlich gestorben ist. Die Aussagen der Nachbarn deuten darauf hin, dass ihr Mann die Hand im Spiel hatte.

Gegen Widerstände der alten Chauvinisten-Garde

Anna möchte dem Fall weiter nachgehen, aber davon will ihr zudringlicher Chef aus der alten Chauvinisten-Garde nichts wissen. Anna spukt das Schicksal der Leserin trotzdem weiter im Kopf herum; auf der Straße und in der Redaktion wird sie ständig respektlos bedrängt; und dann erscheint ihr Frau Berger eines Nachts sogar im Traum und erzählt ihre aufrüttelnde Geschichte ...

Das bundesweite Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (www.hilfetelefon.de bzw. 08000/116016) wurde 2013 gestartet. Das Angebot ist anonym und kostenlos, die Beraterinnen sind 24 Stunden erreichbar. Dass das nötig ist, zeigt „Hinter Türen“ von Kreitz und Dinter allemal. Denn Betroffene schweigen aufgrund von Scham und Schuldgefühlen oft zu lange, ihre Mitmenschen sehen häufig nur zu – oder peinlich berührt weg. Zugleich sensibilisieren Kreitz und Dinter für das Thema Alltags-Sexismus.

Kreitz und Dinter, die vor Jahren bereits am Comic „Mabuse“ zusammenarbeiteten, nutzen für ihren gediegen gezeichneten und kolorierten Online-Comic ein abgewandeltes Format der unendlichen Leinwand, sodass fortlaufend nach unten gescrollt werden kann. Außerdem poppen die Sprechblasen automatisch auf. Seit heute stehen alle vier Kapitel online unter www.hinter-tueren.de.

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