Zeitschriften : Harter Kampf ums Taschengeld

Nach dem Aus von „Fix & Foxi“: Wie Comic-Verlage versuchen, Kinder als Käufer zu locken

Martin Jurgeit
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Mit frischem Schwung. Nach dem vorübergehenden Aus soll es neue Abenteuer von Fix, Foxi und Lupo geben.Illustration: Promo

Am 22. Oktober dieses Jahres wird sich ein eindrucksvolles Schauspiel entfalten. Egal welche Verkaufsstelle man aufsucht – ob den Supermarkt um die Ecke, die nächste Buchhandlung oder gar den Bahnhofsbuchhandel und den Comic-Laden in der City - überall wird man pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum der Serie das neue „Asterix“-Album Nummer 34 vorfinden, das mit einer Millionenauflage die Auslagen flutet (mehr dazu hier).

Doch dieses singuläre Ereignis darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie zersplittert der Comic-Markt ist. Eine Vielfalt an Genres und Publikationsformaten hat sich über die Jahre ganz spezielle Vertriebswege zu höchst unterschiedlichen Verkaufsstellen gesucht. Wer etwa ein franko-belgisches Album jenseits von Bestsellern wie „Asterix“ oder „Lucky Luke“ sucht, muss zwangsläufig einen Comic-Laden ansteuern, um fündig zu werden. Bei literarisch anspruchsvollen Graphic Novels kann dagegen schon eine normale Buchhandlung weiterhelfen – genauso wie bei den besonders beliebten japanischen Mangas. Viele Superheldentitel findet man dagegen in den Bahnhofsbuchhandlungen, die dem Comic-Leser das derzeit breiteste Angebot bieten, gibt es hier doch zusätzlich die sonst nur am Kiosk im Presse-Grosso erhältlichen Comic-Zeitschriften.

Der Markt fragmentiert sich

Das auflagenstarke und heiß umkämpfte Kiosksegment bestreiten derzeit vor allem drei Verlage, der Berliner Egmont Ehapa Verlag sowie Panini und Blue Ocean aus Stuttgart. Zusammen stehen die drei Häuser für gut 90 Prozent des Gesamtumsatzes. Für weitere Mitspieler scheint da kaum noch Entfaltungsspielraum gegeben, wie die kürzlich erfolgte Insolvenz von Tigerpress zeigt. Der Hamburger Verlag provozierte Schlagzeilen, weil sein (vorläufiges) Ende auch den Klassiker „Fix und Foxi“ abermals von der Bildfläche verschwinden lässt. Im Laufe nur eines Jahres büßte „Fix und Foxi“, drei Viertel der Verkaufsauflage ein und rutschte von rund 40 000 auf nur noch 11 000 verkaufte Hefte ab. Auch wenn dieser Absturz außergewöhnlich ist, zeigt er, wie schwer zu kalkulieren das Geschäft mit Comics für Kinder ist (mehr dazu hier).

Das bestätigt auch Peter Höpfner, der als Chefredakteur den diversen Disney-Comics bei Ehapa vorsteht. „Der Markt fragmentiert sich immer mehr“, sagte er, „gefragt sind hoch spezialisierte Publikationen – eine Entwicklung, unter der die General-Interest-Titel leiden.“

Beigaben treiben die Verkaufszahlen nach oben

Das spürt auch „Micky Maus“ von Ehapa. Über die letzten zwölf Monate büßte das wohl immer noch erfolgreichste Comicheft der westlichen Hemisphäre weitere 20 Prozent ein und verkauft derzeit noch etwa 185 000 Exemplare pro Woche.

Eine Reihe anderer Hefte konnte jedoch im gleichen Zeitraum zulegen, etwa die Pferde-Comics „Lissy“ (Pabel-Moewig) und „Wendy“ (Ehapa), die jetzt beide knapp unter 100 000 Exemplare verkaufen. Christian Neuber, Vorstandsvorsitzender von Blue Ocean, stellt deshalb auch ganz klar fest: „Das Gesamtsegment leidet nicht!“ Neuber baute in den 1990er Jahren den Dino-Verlag auf, der später von Panini aufgekauft wurde. Mit seinen seit 2006 im neuen Verlag Blue Ocean lancierten Reihen setzt Neuber vor allem auf Mädchen als Leserinnen. Gerade bei Titeln wie „Prinzessin Lillifee“ oder „Winx Club“ tragen Extras wie Plastikketten, glitzernde Stifte oder Kalender immer stärker zum Erfolg bei der jungen Zielgruppe bei: „Ein gutes Extra bringt 20 Prozent Mehrverkäufe, bei einem schlechten rutscht die Verkaufsauflage gleich ein Drittel unter den Durchschnitt“, sagt Neuber.

Besonders deutlich wird dies bei Serien, die nur vereinzelt Extras zieren. Bei den „Simpsons Comics“ (Panini) etwa kann eine der seltene Beigaben gleich zu einer Verdoppelung der Verkaufsauflage auf monatlich über 60 000 Exemplare führen. Nicht nur der dauerhafte Erfolg der Simpsons bestärkt den Comic-Verlagsleiter von Panini, Max Müller, darin, dass sich Print weiterhin bei der jungen Zielgruppe gegenüber den Online-Welten behaupten kann – denn „welche Eltern sehen es gerne, wenn ihre Kinder im Internet surfen?“

Eine Comic-Versorgungslücke namens Pubertät

Mit dem für sehr junge Leser konzipierten „Spider-Man Magazin“ bemüht sich Panini auch, zukünftig wieder neue Käufer für sein klassisches Superhelden-Programm zu begeistern. Heftreihen wie „Batman“ oder „Spider-Man“ können sich nämlich bei einer monatlichen Verkaufsauflage von lediglich rund 10 000 Exemplaren nur deshalb am Kiosk behaupten, weil ihnen der gleichzeitige Erfolg im Comic-Fachhandel hilft.

Eine andere Mischkalkulation macht den großen Erfolg der „Lustigen Taschenbücher“ (Ehapa) aus. Ganz ohne Extras haben sich diese mit monatlich rund 235 000 Verkaufsexemplaren – diverse Nachdrucke nicht mitgerechnet – an die Spitze der Comic-Verkaufs-Charts gesetzt. Den „Lustigen Taschenbüchern“ gelingt es wie keinem zweiten Objekt am Markt, auch ältere Leserschichten zu begeistern, die als junge Erwachsene zu den Comics zurückkehren.

Doch vor dieser Rückkehr steht, was Peter Höpfner von Ehapa zugespitzt als „Comic-Versorgungslücke, von anderen Pubertät genannt“ umschreibt. Denn spätestens mit zwölf Jahren fallen die Leser am Kiosk erst einmal weg. Comics scheinen dann einfach nicht mehr sexy zu sein. Allenfalls von den Mangas geht ein gewisser Reiz für Jugendliche aus. Aber auch deren Durchschnittsauflagen von oft nicht einmal 10 000 Exemplaren sind für einen Kioskvertrieb nicht ausreichend. Zuletzt musste der Carlsen-Verlag – im Buchhandel immerhin Comic-Marktführer – selbst sein Mädchen-Manga-Magazin „Daisuki“ aus dem Presse-Grosso zurückziehen.

Martin Jurgeit ist Chefredakteur des Comic-Fachmagazins „Comixene“. Unter www.tagesspiegel.de/comics veröffentlicht er den Blog „Comics in der Presse“ sowie andere Berichte und Analysen.

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