Hozier live in Berlin : Salbeitee und Klagelieder

Der irische Songwriter Hozier gibt im ausverkauften Berliner Kesselhaus ein überzeugendes Konzert. Um sein kürzlich erschienenes Debütalbum gab es einen kleinen Hype.

Anne-Sophie Balzer
Andrew Hozier-Byrne nennt sich als Musiker Hozier.
Andrew Hozier-Byrne nennt sich als Musiker Hozier.Foto: Universal

Der Blues kommt nie aus der Mode. Bands wie die White Stripes oder die Black Keys trugen sein Erbe sogar in die Charts. Auch der 1990 in Irland geborene Musiker Andrew Hozier-Byrne, Hozier genannt, ist dem Blues tief verbunden. Und hat mit seiner aus dem Stand eine beachtlichen Erfolg: Als kürzlich sein Debütalbum in Deutschland erschien, entstand ein kleiner Medien- Hype, in seiner Heimat wird Hozier ohnehin fast so herzlich gefeiert wie der heilige Patrick.
Beim Konzert im Kesselhaus wird Hoziers helle Bariton-Stimme schon bei der ersten Zeile von „Like Real People Do“ kräftig. Sie klingt immer etwas heiser und rauchig, in vielen Stücken klagend. Dann wieder wird sie klar und sanft, als wolle sie einen in der Kniekehle kitzeln. Zwischen den Stücken trinkt Hozier Salbeitee, die Stimmbänder werden es mögen.

Das Publikum fiebert Hoziers Hit "Take Me To Church" entgegen

Bei Songs wie „It Will Come Back“, „To Be Alone“ oder auch dem „Illinois Blues“, einem Skip-James-Cover zeigt sich, was für ein guter Gitarrist der 24-Jährige ist. Er spielt jede seiner vier Gitarren ohne Plektron, die Finger seiner Spielhand sind lang und schlank und bewegen sich sagenhaft schnell über die Saiten. Hozier nimmt alten Bluesmelodien, die immer ins Ohr gehen, egal, wie viel Wasser noch den Mississippi hinunterfließen wird, und mischt sie mit Gospelgesang. Dazu kommen eine gehörige Portion Folk, sparsam eingesetzte Computer-Beats, ein Klavier und ein rhythmisch eingesetztes Cello.


Die sechs Musiker seiner Band scheinen ihn zwar nicht fest zu begleiten, sind aber ein gun eingespieltes Team. Zusammen geben sie den Background-Chor für Hoziers Klagelieder. Für ein Duett über zwei Liebende „who do, what lovers can do best, I guess“ holt Hozier die Sängerin Karen Cowley hinzu. Irgendwie scheint das mit dem Blues, dem Gospel, dem Tee und Irland dann doch alles zusammen zu passen.
Hozier ist bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate in Berlin – und sichtlich überrascht über die ausverkaufte Halle des Kesselhauses in der Kulturbrauerei. Beim letzten Mal musste er mit einer wesentlich kleineren Bühne auskommen, erzählt er. Schade nur, dass er vor einem Publikum spielt, in dem sich viele an den vom Gitarrenspiel dominierten Stellen lieber unterhalten, als zuzuhören. Es wird offenbar auf Hoziers großen Hit hingefiebert, „Take Me To Church“, eine melancholische Ballade, die auf emotionale Überwältigung angelgt ist. Und der Mann aus Irland macht es richtig, er spielt sie erst am Schluss: „I was born sick / But I love it / Command me to be well / Amen. Amen. Amen. Amen.“

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