75. Jahrestag : Köhler erinnert "mit Scham" an Bücherverbrennung

Bundespräsident Horst Köhler hat am Freitag der Bücherverbrennungen durch die Nationalsozialisten vor 75 Jahren gedacht. Das Ereignis sei eine Vorstufe des Holocaust gewesen, denn von der Vernichtung der literarischen Werke zur Verbrennung der Menschen war es nur "ein kleiner Schritt".

Berlin"Mit Scham" erinnerten sich die Deutschen daran, dass damals überall im Land unter dem Jubel der Zuschauer Bücher bekannter Autoren verbrannt wurden, so Horst Köhler. Die Werke von Erich Kästner, Sigmund Freud, Karl Marx, Kurt Tucholsky und vielen anderen wurden von Studenten 1933 ins Feuer geworfen und verbrannt, erinnerte der Bundespräsident auf der zentralen Gedenkveranstaltung in der Berliner Akademie der Künste. "Es war eine freiwillige Selbstaufgabe des Geistes, wie sie in zivilisierten Staaten beispiellos ist".

Der Bundespräsident sprach von den Bücherverbrennungen als Vorstufe des Holocaust. Von der Vernichtung der literarischen Werke zur Verbrennung der Menschen sei es nur "ein kleiner Schritt" gewesen. Das Ereignis vor 75 Jahren sei kein "spontanes Spektakel" gewesen, sondern habe "eine lange und exakt geplante Vorgeschichte" gehabt. Gerade Akademiker hätten gegen angeblich "undeutsches" Gedankengut Propaganda betrieben. "Wenn jemals mit Recht von geistigen Brandstiftern gesprochen werden kann, dann im Hinblick auf die akademische Vorgeschichte des 10. Mai 1933", sagte Köhler.

Einige Autoren wurden verhaftet, andere ermordet

Ausrichter der Veranstaltung waren neben der Akademie der Künste der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, das P.E.N.-Zentrum Deutschland und der Verband deutscher Schriftsteller.

Auf der Veranstaltung sollten die Schauspieler Günter Lamprecht und Jutta Wachowiak sowie die Schriftsteller Volker Braun, Ingo Schulze und Herta Müller aus Werken von Kurt Tucholsky, Erich Kästner und Bertolt Brecht lesen.

Am 10. Mai 1933 und an den Folgetagen wurden in Berlin und anderen deutschen Städten mehr als 20.000 Bücher öffentlich verbrannt. Die Autoren wurden von den Nazis als "entartet" und "undeutsch" diffamiert und ihre Werke aus den öffentlichen Bibliotheken entfernt. Einige Autoren wurden verhaftet und ermordet, andere gingen ins Exil. (sba/ddp)

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