Literatur : Freier geht’s nicht

Donald E. Westlakes letzter Parker-Roman

Gerrit Bartels

Auf einmal steht er da, einfach so, wie aus dem Nichts: Parker. Hinter und über ihm mit Hunden und in Hubschraubern die Polizei, vor ihm ein Mann mit Gewehr, der Kleidung und der Haltung nach zu schließen aber offensichtlich kein Bulle. Er nimmt Parker mit zu sich, irgendwo in einem tristen Nest in Massachusetts, und zweigleisig läuft die Geschichte weiter: Hier Parker auf der Flucht, dort Tom Lindahl, ein einsamer, verbitterter Mann, der Parker bittet, ihm zu helfen, seinen ehemaligen Arbeitgeber, eine Pferderennbahn, auszurauben.

Parker ist die vielleicht gelungenste, in jedem Fall markanteste Figur des vor Kurzem gestorbenen Pulp-Autors Donald E. Westlake. Unter dem Pseudonym Richard Stark begann er 1962 mit dem Schreiben der Parker-Romane, setzte über zwanzig Jahre damit aus und schrieb erst Ende der neunziger Jahre an der Reihe weiter. „Fragen Sie den Papagei“ ist der letzte, 2006 in den USA und England veröffentlichte Parker-Roman, den Westlake geschrieben hat, und es macht gar nichts, dass der Zsolnay Verlag ausgerechnet mit diesem die Wiederentdeckung Westlakes betreibt: Parker ist alterslos, hat keinen Vornamen, keine Familie. Vor allem hat er keine Vorgeschichte von größerer Bedeutung. Er ist ein Gangster, ein Mörder, sonst nichts, und er kennt keine Skrupel, keine Gefühle, keine Schuld. Mit anderen Worten: Parker verkörpert die komplette Freiheit. Das ahnen auch all die, die ihm in „Fragen Sie den Papagei“ begegnen und nach einem missglückten Banküberfall suchen. Wer zuviel ahnt, muss sterben: Da kennt Parker nichts.

Knarztrocken, gekonnt und mit viel Sinn für elaborierte Handlungsdetails erzählt Westlake, wie lauter Amateure auf einen Profi treffen, ein Grundthema der Parker-Romane. Und wie amateurhaft sie sind, wie das Amoralische Einzug in ihre ja auch nicht gerade heile Welt hält, das demonstriert Donald E. Westlake mittels eines erzählerischen Kniffs. Im dritten Roman-Teil wechselt er in kurzen Kapiteln die Erzählperspektive und lässt die in den Fall verstrickten Bürger ihre jeweilige Situation reflektieren. Am Ende, und auch das macht die große Kunst Westlakes aus, ist man heilfroh, dass Parker gut aus der Sache herauskommt – Freiheit vor Dilettantismus! Gerrit Bartels

Richard Stark: Fragen Sie den Papagei. Roman. Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren.

Zsolnay Verlag, Wien 2008. 254. S., 16, 90 €.

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