Glaube : Über Gott und die Welt

Friedrich Merz und Gregor Gysi diskutieren über das Buch "Gott. Eine kleine Geschichte des Größten".

Constanze von Bullion

Es ist theoretisch keine schlechte Idee, ein Buch über Gott von einem katholischen Sauerländer und einem ostdeutschen Berufsatheisten besprechen zu lassen. Die können sich dann streiten, ob Gott schon tot ist oder nicht. Es wurde aber wenig gestritten und dafür viel bildungsbürgerlicher Weihrauch geschwenkt bei der Vorstellung des Buches „Gott. Eine kleine Geschichte des Größten“ in der Bundespressekonferenz. Es ist ein Streifzug durch 3000 Jahre Religionsgeschichte, Gottsuche und Wissenschaft. Geschrieben wurde es von Manfred Lütz, präsentiert vom „Spiegel“-Mann Matthias Mattusek. Weitere Protagonisten auf dem Podium: Friedrich Merz, „Noch-Politiker, CDU-Mitglied und na ja“, und Gregor Gysi, „studierter Rinderzüchter“, dem wohl die Rolle des Anti-Christen zugedacht war.

Gysi zieht es dann vor zu beweisen, dass ein gelernter Kommunist, zumal einer aus gebildetem Hause, es mit den christlichen Universalgelehrten aufnehmen kann. Der Autor Manfred Lütz ist so einer, er weist bei der Buchvorstellung mehrfach darauf hin, dass er Theologie, Medizin und Philosophie studiert hat, auch Psychiater ist und offenbar so viel im Kopf hat, dass der Mund kaum hinterherkommt. Lütz wünscht sich eine „streitige Debatte“ über den Glauben, und er nimmt seine Leser mit auf die Reise zu den Ungläubigen. Zu Siegmund Freud, der Religiosität für eine psychische Störung hielt. Oder zu Friedrich Nietzsche, der Gott für „todt“ erklärte, bevor er, wie der Autor nahelegt, an Einsamkeit und Gottferne zugrunde ging. Gottsucher also, auch die Ungläubigen.

Friedrich Merz liest seine Laudatio ab, er nennt das Buch einen „schlichten, zwischen zwei Buchdeckel passenden Gottesbeweis“. Genau das ist es nicht, findet Gregor Gysi, der jeden Nachweis für den Herrgott für Unfug hält. Das bedeute aber nicht, dass er die Kirchen geringschätze. Gysi referiert über Kant und Nietzsche, und über seinen Vater, der DDR-Staatssekretär für Kirchenfragen war. Er habe ihm großen Respekt vor den Kirchen mitgegeben, schließlich seien die Ideale des Sozialismus auf dem Boden der christlich-jüdischen Moral gewachsen. Ein Seitenhieb noch auf die europäische Linke und ihre unbewältigte Vergangenheit, die es ihr verbiete, „allgemeinverbindliche Normen“ aufzustellen. Er plaudert noch lange, das Publikum lauscht, die Mundwinkel von Friedrich Merz weisen nach unten. Der Anti-Christ hat ihm die Show gestohlen. Constanze von Bullion

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