Literatur : Konservierter Konflikt

„Der bewaffnete Freund“: Raul Zeliks Roman über Spanien und Eta-Terror

Alexander Leopold

So lässt sich auch Werbung für Bücher machen: In Raul Zeliks Roman „Der bewaffnete Freund“ gibt es auf der letzten Seite einen Hinweis auf einen Roman, der im Oktober im gleichen Verlag erscheint, „Der gefrorene Mann“ von Joseba Sarrionandia, aus dem Baskischen übersetzt von Petra Elser und Raul Zelik. So was ist üblich. Nur spielt der baskische Untergrundschriftsteller Sarrionandia auch eine nicht ganz kleine Rolle in „Der bewaffnete Freund“. Zeliks Erzähler verweist quasi in eigener Sache auf „Der gefrorene Mann“: „An der nicaraguanischen Karibikküste sitzt, zwischen Palmen und Bananenstauden, ein Mann in seiner Holzhütte und starrt regungslos auf den Regen, eine aschefarbene Wand. Man hört die Tropfen aufs Eternit-Dach schlagen. Das ist genau das Problem: Der ganze Konflikt ist der wie zu Eis gewordene Mann: eingefroren, tiefkühlkonserviert.“

Der ganze Konflikt, das ist bei Zelik wiederum der bewaffnete Kampf der Eta gegen die spanische Zentralregierung, er bildet Kern wie Hintergrund seines Romans. Ein deutscher Mittdreißiger, der einen Forschungsauftrag in der Baskenmetropole Bilbao hat, kutschiert den mutmaßlichen Eta-Terroristen Zubieta durch Spanien: aus Sympathie für die Sache und den Freund, dem er schon früher geholfen hat. Und aus Sentiment und Liebe zur Literatur: Zubieta befreite einst Joseba Sarrionandia aus dem Gefängnis, „richte ihm aus, dass ich dich wegen seiner Bücher gefahren habe. Weil du ihn rausgeholt hast.“

Der deutsche Linke, zweifelnd, ängstlich, aber mit Sympathien für die baskische Sache, und der ewige Freiheitskämpfer und sture Terrorist – so unterhalten sie sich über alte Zeiten und die Gegenwart auf ihrer Fahrt durch ein Spanien, das idyllisch ist, aber auch brutalst gegen die illegale Migration aus Nordafrika vorgeht. Es steckt viel drin in diesem politisch-diskursiven, allenfalls semifiktionalen Roman – auch politisch Zweifelhaftes, etwa wenn der mörderische Eta-Terror mit der „autoritären Gewalt des Normalszustandes“ abgeglichen wird. Und verklärend Kitschiges, wenn Zelik das harte, aber gute, reine Leben auf dem Land schildert. Eigentümlich mutet auch der am Ende sich zeigende wahre Beweggrund des Erzählers an, Zubieta zu helfen: die Sehnsucht nach Zugehörigkeit, nach Menschen, die „wirklich da sind, wenn man sie braucht“. Dafür muss man nicht Eta-Sympathisant sein und die Bücher von Joseba Sarrionandia lieben. Alexander Leopold

Raul Zelik: Der bewaffnete Freund. Roman. Blumenbar Verlag, München 2007,

288 Seiten, 18 €

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