LESESTOFF : Erich Reiter: Die Sezessionskonflikte in Georgien

Wer hat den Krieg in Georgien 2008 gewonnen? Was angesichts des russischen Sieges auf dem Schlachtfeld als rhetorische Frage erscheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als keinesfalls abschließend beantwortet.

Thomas Speckmann

Erich Reiter (Hrsg.): Die Sezessionskonflikte in Georgien. Böhlau-Verlag, Wien 2009. 329 Seiten, 39 Euro.

Die von Erich Reiter versammelten Autoren führen vielmehr vor Augen, wie unentschieden die Lage im Kaukasus ist. Der Präsident des Internationalen Instituts für liberale Politik Wien weist bereits im Vorwort auf die zentrale Herausforderung hin: Der Westen und insbesondere die USA müssen ihre Russlandpolitik überdenken und die Moskau geografisch nahe stehenden Mitglieder der Nato vor eben jenem Russland schützen, das bisher als Partner galt. Auch die EU sucht nun verstärkt eine neue Rolle im Südkaukasus, denn die russische Machtpolitik könnte die junge freiheitlich-demokratische Ordnung Mitteleuropas infrage stellen. So gesehen ist die Demütigung des militärisch Schwachen durch die Großmacht nicht das Ende, sondern die Fortführung eines Konflikts, der an Konstellationen des Kalten Krieges erinnert. Nicht zuletzt die Prognosen von Jörg Himmelreich und Peter Schmidt deuten darauf hin: Der Senior Transatlantic Fellow des German Marshall Fund sieht weiterhin als Ziel der US-Außenpolitik, Georgien und die anderen südkaukasischen Staaten langfristig in die euro-atlantischen Strukturen zu integrieren. Schmidt, Referent der SWP, glaubt ebenfalls nicht an die Möglichkeit eines baldigen Interessenausgleichs zwischen der EU, Russland und den USA. Konflikteindämmung laute daher das Gebot der Stunde.

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