Neues Lexikon : DDR-Literatur: Drucken oder freikaufen

Eine feine Sache und längst überfällig: Steffen Richter über ein Lexikon zur DDR–Literatur mit kompakt-kompetenten Essays zum Thema.

Steffen Richter

Kürzlich behauptete die „Zeit“, „die Wunde DDR“ habe die allemal „aufregendere deutsche Literatur“ hervorgebracht. Darüber lässt sich streiten – unstreitbar überfällig ist jedoch ein Lexikon zur DDR-Literatur, wie das soeben erschienene „Metzler Lexikon DDR-Literatur“. Hier findet man nicht nur zahlreiche Autorenartikel und Einträge zu ostdeutschen Verlagen oder Zeitschriften. Hier gibt es auch wunderbar kompakt-kompetente Essays zu Themen, zu denen man zum Beispiel online kaum so konzentrierte Informationen findet. Etwa zur „Rezeption der DDR-Literatur in Italien“, zur „Protestaktion in der Berliner Erlöserkirche“ oder zum „Tod in der Literatur der DDR“.

Was die Herausgeber Michael Opitz und Michael Hofmann zusammengestellt haben, ist eine feine Sache. Man erfährt Dinge, von denen man kaum ahnt, dass es sie gab, wie „Avantgarde“ oder DDR-„Abenteuerliteratur“. Oder es wird über den Zusammenhang von „Druckgenehmigung“ und „Freikauf von Schriftstellern der DDR“ sinniert. Auch gibt es mit der „Wende“ keinen Schlussstrich, wie Artikel zu Lutz Seiler, Kathrin Schmidt oder zur „DDR in der Literatur nach 1989“ zeigen.

Am 16.12. (20 Uhr) wird das Lexikon von den Herausgebern und der Schriftstellerin Katja Lange-Müller vorgestellt (Brecht-Haus, Chausseestr. 125, Mitte). Dann ist eines klar: Ein ostdeutsches Traditionskabinett ist das nicht. Das sieht man schon an den Mitarbeitern, die aus Ost und West sowie aus verschiedenen Generationen stammen. Alle sind sie natürlich aufgelistet – neben Abkürzungen, erwähnten Personen und Artikeltiteln.

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