''Rupien! Rupien!'' : Kluger Kellner

Der Roman zum Oscar: Vikas Swarups "Q & A" ist die literarische Vorlage für den großen Gewinner "Slumdog Millionär".

Gerrit Bartels

Liest man Vikas Swarups 2005 veröffentlichten Roman „Q & A“ , die literarische Vorlage für „Slumdog Millionär“, fühlt man sich schnell an einen anderen, 2008 sehr erfolgreichen und mit dem BookerPrize ausgezeichneten Roman erinnert: an „Der weiße Tiger“ von Aravind Adiga. Hier wie dort bedienen sich die Autoren beim Schelmenroman, hier wie dort ist es ein vermeintlich naiver Erzähler, der beschreibt, in was für miesen Verhältnissen er groß geworden ist, wie er versucht, sich emporzuarbeiten, wie er selbst vor Mord nicht zurückschreckt, mal zum eigenen Vorteil, mal um der Gerechtigkeit willen. Und hier wie dort ist es die Form, die sofort greift, einnimmt und ein wenig übertüncht, dass beide Romane sprachlich eher unauffällig und mit leichter Hand geschrieben sind.

Erzählt Adiga seine Geschichte als Briefroman, gibt es bei dem 1963 im indischen Allahabad geborenen und im Hauptberuf als Diplomat tätigen Swarup den schönen Kniff mit dem Milliardenquiz, das sein Held, der 18-jährige Kellner Ram Mohammed Thomas, so überraschend gewinnt. Was er sofort büßen muss: Er wird verhaftet und gefoltert, angeblich, weil er geschummelt hat. Aber auch, weil ein Waisenjunge wie er nicht die Grenze zwischen Arm und Reich überschreiten sollte: „Was muss so ein bettelarmer Kellner auch an einem Quiz für kluge Köpfe teilnehmen? Der Kopf ist ein Körperteil, dessen Benutzung uns nicht gestattet ist. Wir sollen bloß unsere Arme und Beine gebrauchen.“

Eine Anwältin kommt ihm zu Hilfe, und dieser erzählt Ram nun kapitelweise – das ist der Rahmen von Swarups Roman –, wie jede der zwölf Quiz-Fragen aufs Vorteilhafteste mit den Stationen in seinem kurzen, aber ereignisreichen Leben in Mumbai, Delhi und Agra korrespondieren. Es ist das Indien von unten, das Swarup schildert, in dem sich die Menschen mit Betteln, Essenaustragen, Kellnern und als Dienstboten bei den Reichen durchschlagen. Aber auch das Indien, das sich im ewigen Kriegszustand mit Pakistan befindet, in dem Hindus und Moslems immer wieder brutal aneinandergeraten, dessen Alltag von kriminellen Banden organisiert wird.

Dass Swarups Held etwas undifferenziert das Gute repräsentiert, dass „Rupien! Rupien!“, wie der Titel in der deutschen Übersetzung lautet, auch kitschige Momente hat, stört nur wenig. Gehört Bollywood doch zum Alltag jedes noch so armen Inders. Und nicht umsonst wurde Swarups auf Englisch verfasster, auf ein globales Lesepublikum zielender Roman schon bei Erscheinen in zwanzig Sprachen übersetzt. Gerrit Bartels

Vikas Swarup: Rupien! Rupien! Roman. Aus dem Englischen von Bernhard Robben. KiWi-Paperback, 344 S., 8,95 €.

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