Schlosskonzert von Wassily und Nicolai Gerassimez : Die Brüder wollen Spaß

Schnelligkeit, halsbrecherische Akrobatik und Leidenschaft: Die Gerassimez-Brüder spielen in Königs Wusterhausen.

Tomasz Kurianowicz
Zwei Brüder, eine Leidenschaft: Links am Cello Wasily, rechts Nicolai.
Zwei Brüder, eine Leidenschaft: Links am Cello Wasily, rechts Nicolai.Foto: Norbert Vogel

Kurz vor Beginn des Schlosskonzerts in Königs Wusterhausen brechen die letzten Sonnenstrahlen durch die Fenster des Kavaliershauses. Ein herrlicher Empfang für die Brüder Wassily und Nicolai Gerassimez, die das Publikum mit schelmischem Lächeln begrüßen. Sie fackeln nicht lange und zeigen bereits bei Bohuslav Martinus „Variationen über ein Thema von Rossini“, was in ihnen steckt. Nicolai Gerassimez bespielt den Flügel, Wassily das Cello.

Ihr Spezialgebiet: Schnelligkeit. Es ähnelt schon halsbrecherischer Akrobatik, mit welchem Übermut sie das Stück an seine Grenzen treiben. Auch Beethovens Sonate Nr. 3 kommt nicht als gesittetes Vergnügen daher, sondern als diabolischer Austausch. Größtenteils geht die Rechnung auf. Nur manchmal gelingt ein Lagenwechsel nicht ganz akkurat und ein Vibrato nicht ganz so sauber. Sei’s drum! Leidenschaft übertrifft hier Präzision.

Der zweite Teil des Konzerts wirkt stringenter. Das mag daran liegen, dass vor allem Kompositionen des 25-jährigen Wassily auf dem Programm stehen. Er beginnt mit einem Stück, das er in Spanien geschrieben hat. Dafür funktioniert er sein Cello zur Gitarre um und präsentiert sein schnell gezupftes Werk, als wäre er professioneller Flamenco-Spieler. Bei der „letzten Nacht im Orient“ benutzt er sein Instrument als Schlagzeug und erzeugt dabei einen wilden Trommeleffekt. Hinreißend! So keck und experimentell geht es auch bei „Amira“ weiter, einem ebenfalls selbst komponierten Stück, bei dem der sechs Jahre ältere Bruder Nicolai so kuriose Objekte wie Büroklammern und einen Kleiderhaken im Innern des Flügels drapiert. Das Ergebnis klingt wie aus einem Horrorfilm, dunkel und trüb und wie von einer Geistermaschine gespielt.

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Man merkt den Brüdern an, wie viel Spaß ihnen das Experimentieren macht. Fast so viel wie das schnelle Spiel, deshalb dürfen am Ende zwei Tempo-Stücke nicht fehlen: Fazil Says Paganini-Variationen, die in einen Jazz-Sprint abdriften, und Astor Piazzollas „Le Grand Tango“, das zum musikalischen Wettrennen mutiert. Ohne Frage: Wer so viel kann, der hat noch viel vor.

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