Der Tagesspiegel : Kurt Mühlenhaupt: "Wenn ick dicke Beene male, sind die schön"

Andreas Conrad

Reden wir erst mal von Hannelore, das ist Kurt Mühlenhaupts Frau. Bildhauerin vor allem, doch auch der Gartenkunst ergeben. 600 Blumenzwiebeln hat sie im letzten Winter gepflanzt, zur Freude der Wühlmäuse, "die sich dank dieser großzügigen Futterration kräftig vermehrten".

Ohnehin, Tiere scheinen es gut zu haben auf dem Künstlergutshof in Bergsdorf, man lese nur den Neujahrsbrief 2001, den Kurt und Hannelore rechtzeitig zu seinem heutigen 80. Geburtstag losschickten. Nehmen wir beispielsweise Julchen, das Schwein: der "heimliche Star auf dem Hof", mancher Besucher kommt angeblich nur ihm zuliebe. Als jedoch die Kammeroper mit jungen Talenten anrückte, hat Julchen protestiert. Sie konnte nun mal die hohen Töne nicht vertragen und quieckte kräftig mit.

Es denke keiner, das dörfliche Idyll sei der Kunst abträglich. Matthias Köppel hat im letzten Jahr in Mühlenhaupts Scheune ausgestellt, die Musikhochschule "Hanns Eisler" war zu Gast, und der Professor Oppermann zeigte Bilder aus Barcelona. Mühlenhaupt selbst, obgleich nun in den Achtzigern, ist emsig wie nie, hat drei neue Gartenzwerge geschaffen und viele neue Bilder, vor allem aber an seiner Biografie weitergearbeitet. Die ist angelegt auf elf Bände, soviele Buchstaben enthält schließlich sein Nachname. Jetzt hat er den vierten fertig, mit einem in Kupfer gestochenen Passionszyklus, darin geht es um den Krieg. Und natürlich sind da noch einige Ausstellungen vorzubereiten, im August etwa die große Mühlenhaupt-Retrospektive des Berliner Stadtmuseums in der Nikolaikirche.

Viele Freunde und Weggefährten werden heute aus Berlin angereist kommen, dem die beiden Stadtflüchtlinge nach der Wende den Rücken kehrten, um sich auf dem alten Gutshof einen Alterssitz zu schaffen. Keinen Ruhesitz, wohlgemerkt! Mit seiner früheren Kunst, die oft in die Nähe des alten Zille gerückt wurde, hat Mühlenhaupt ohnehin nicht völlig gebrochen. Gewiss, ihn reizen jetzt "karge, märkische Landschaften, durch die ein Hauch von Melancholie weht, leere Flurstücke, ein Lehmacker oder Rainfarn im Oderbruch", wie es in der Mitteilung des "Museums Bergsdorf" zu seinem 80. fast schwärmerisch heißt. Aber die Bäuerinnen, die er vor seine Staffelei holte, hat er nicht anders behandelt als die Frauen Berlins. Einige habe er sich wohl zu Feinden gemacht, gesteht er ein, unbekümmert darum, dass sie sein Schönheitsideal nicht ganz teilen: "Wenn ick dicke Beene male, sind die schön."

Einen Wunsch hat er für diesen Tag: "Bitte kommt nicht schon am Vormittag, der Meister schläft sehr lange." Und bloß keine Geschenke. Es sei denn eine Flasche Rotwein oder Cognac. Wer partout nicht kann, nicht heute und nicht morgen, ja nicht mal am Sonntag - nun, der kann eben nach Kreuzberg fahren, zum Mariannenplatz, dort Mühlenhaupts Feuerwehrbrunnen dreimal umrunden, dann in die nächste Eckkneipe gehen und auf Kurts Wohl in Ruhe eine Molle zischen.

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